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SWR1 3vor8

Inklusion in der Kirche – wie könnte die aussehen? Ich behaupte: Jesus war ein Vorkämpfer für Inklusion. Eine kurze Geschichte aus der Bibel erzählt davon. Sie ist für heute für die Predigt in den evangelischen Gottesdiensten vorgesehen.

Jesus, wird da erzählt, war im Tempel in Jerusalem. Dort kamen Lahme und Blinde zu ihm, Behinderte also. Damals war aber für Behinderte das Betreten des Tempels verboten. In der Nähe Gottes sollen nur die Gesunden sein, hat man gemeint. Die Starken und Schönen. Aber Jesus schickt die Kranken und Behinderten nicht weg – für ihn sind sie erst einmal ganz normale Menschen. Nicht irgendwie mangelhaft. Und Kinder waren auch da, im Tempel. Die haben Jesus zugejubelt. Auch das war eigentlich undenkbar damals. Kinder, die noch keine Ahnung hatten von Religion und bloß Unruhe machen! Kein Wunder, dass die Tempeldiener und Religionsbeamten empört waren. Aber Jesus schützt die, die eigentlich draußen bleiben müssten. Er schützt sie vor der Empörung und vor dem Rausschmiss. Und er hört ihnen zu. Hört, was sie ihm zu sagen haben. (Mt. 21, 14-17).

Für Jesus waren die Behinderten und die Kinder erwünscht. Als Menschen wie die anderen auch. Wir nennen das heute Inklusion. Jesus wollte damit zeigen: So ist es im Reich Gottes.

Heute ist viel von Inklusion die Rede. Inklusion bedeutet zuerst einmal:  jeder Mensch gehört ganz natürlich dazu. Egal wie du aussiehst, egal, was du nicht oder noch nicht kannst. Du kannst mitmachen. Mit deinen Möglichkeiten. Mit deinen Fähigkeiten. Ob am Arbeitsplatz, beim Wohnen oder in der Freizeit:

Heute gibt es vielerlei Versuche, Inklusion praktisch umzusetzen: Rampen und Aufzüge für Menschen mit Rollstuhl, Leitsysteme auf den Gehwegen, damit Blinde allein unterwegs sein können. Gemeinsamer Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern. Manches ist da noch in der Versuchsphase, manches muss noch ausprobiert werden. Aber immerhin – die Verantwortlichen erkennen, wie wichtig das ist.

Und in der Kirche? Ja klar, da gibt es auch behindertengerechte Eingänge und Verstärker für Schwerhörige und gelegentlich auch Predigten in leichter Sprache. Ich meine: Inklusion beginnt, wo wir Menschen sehen, wie Jesus sie gesehen hat. Alle können dazu gehören: mit ihren Behinderungen und Sorgen, mit ihrer ungewöhnlichen Weltanschauung, mit ihrer sexuellen Orientierung, mit ihrem schrillen Outfit. So ist das im Reich Gottes. Und unter Christenmenschen sollte es auch so sein.

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