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SWR1 3vor8

 (Apg 2, 42-47)

„Ein Miteinander ohne Füreinander ist keine Gemeinschaft.“ Dieser Satz des Autoren Stefan Fleischer passt zu dem Text, der heute in den Katholischen Kirchen zu hören ist. Ein Text vom Anfang der Apostelgeschichte. Darin wird beschrieben, was die Glaubensgemeinschaft der ersten Christen ausgemacht hat, was sie zusammengehalten hat und was sie so anziehend gemacht hat, dass sich ihnen viele Menschen angeschlossen haben.

Diese Beschreibung wird noch plastischer, wenn man sich die Gesellschaft, in der die ersten Christen gelebt haben, vor Augen hält. Sie war gespalten, in Oben und Unten gespalten. Wie zu allen Zeiten und überall gab es da Menschen, die gebildet waren, die von Geburt an besser gestellt waren oder Macht über andere Menschen hatten. Und dann gab es viele Menschen, die all das nicht waren oder hatten. Zu dieser Zeit gab es aber noch Menschen, die noch weiter unten waren: Sklaven, Frauen, Ausländer und Kranke. Ein, wenn nicht das Wesensmerkmal der ersten Christen war, dass es unter ihnen diese Spaltung nicht gegeben hat. Kein Oben und kein Unten mehr. Sondern alle waren gleich und wurden auch so behandelt. Weil sie von der Botschaft des barmherzigen Gottes ergriffen waren, der keine sozialen Unterschiede kennt. Es lohnt sich in den Originalton der Apostelgeschichte hineinzuhören. Da kann man erfahren, wie die ersten Christen das konkret gelebt haben. Wörtlich heißt es: „Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten. Alle wurden von Furcht ergriffen, denn durch die Apostel geschahen viele Wunder und Zeichen. Und alle, die gläubig geworden waren, bildeten eine Gemeinschaft und hatten alles gemeinsam. Sie verkauften Hab und Gut und gaben davon allen, jedem so viel wie er nötig hatte. Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel, brachen in ihren Häusern das Brot und hielten miteinander Mahl in Freude und Einfalt des Herzens. Sie lobten Gott und waren beim ganzen Volk beliebt…“

Auch wenn der Autor der Apostelgeschichte die Gemeinschaft der ersten Christen ein wenig idealisiert haben mag, im Kern muss es doch stimmen. Denn wenn es nicht so gewesen wäre, hätte sich das Christentum auch nicht so schnell verbreitet.

Höre ich als Christ von heute diesen Text, klingen drei Dinge bei mir nach: dass es bei den ersten Christen kein Oben und Unten gegeben hat. Dass die frohe Botschaft Jesu sie wohl ansteckend froh gemacht hat. Und dass ihr Miteinander ein Füreinander war.

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