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SWR1 3vor8

Wie kann das Leben weitergehen? Nach einem schrecklichen Verlust?
Vielleicht, wenn wenigstens einer nicht den Kopf verliert vor lauter Trauer. Wenn wenigstens eine tut, was nötig ist, auch wenn alle meinen: jetzt, nach dieser Katastrophe steht alles still.

Es gibt eine merkwürdige Ostergeschichte in der Bibel, die so etwas erzählt (Lk 24, 36-45). Heute wird darüber in den evangelischen Gottesdiensten gepredigt.
Die Weggefährten von Jesus waren irgendwo zusammen und sie waren fassungslos traurig. Jesus, ihr Freund und Lehrer war hingerichtet worden. Jetzt war alles aus. Gott hatte sie im Stich gelassen.
Nur einer hat sich offenbar von der Trauer nicht unterkriegen lassen.

Man muss doch was essen, fand er. Und hat sich in der Küche zu schaffen gemacht, legt Fisch in die Pfanne. Bald riecht man es im ganzen Haus – köstlich, eigentlich. Ihr müsst doch was essen, hat er womöglich zu den anderen gesagt. Probiert doch mal – ist gut! Aber keiner hatte Appetit.

Da steht auf einmal Jesus mitten unter ihnen. Gott zeigt sich da, wo das Leben wieder anfängt, ganz alltäglich und leise., so verstehe ich das. Wo Jesus ist, zeigt sich doch Gott.
Aber die Traurigen sind noch nicht so weit. Das kann doch nicht sein, finden sie. Tot ist tot. Es ist noch nie einer zurückgekommen. Irritiert und ratlos starren sie ihn an.
Da zeigt er ihnen die Wunden an seinen Händen und Füßen. Die Zeichen seines schrecklichen Sterbens. Ja, sicher, er könnte es sein. Oder ist das doch nur Einbildung?

„Habt ihr etwas zu essen hier?“ fragt er sie dann. Der Geruch des Lebens macht ihm Appetit. Sie geben ihm von dem gebratenen Fisch. Und ich glaube nicht, dass er den jetzt allein essen muss. Ich denke mir, dass auch seine Freunde jetzt auf den Geschmack kommen. Jesus ist nicht tot. Er lebt. Hier, mitten unter uns. Lasst uns essen und trinken. Das Leben kann weitergehen. Nur anders eben. Ganz neu!

Wir Christen feiern heute Ostern. Christus ist auferstanden, glauben wir. Und wir tun das, weil die Jünger von damals uns solche Geschichten erzählt haben. Und weil man auch heute erleben kann, wie das Leben neu anfängt. Mit Essen und Trinken zum Beispiel. Früher war es üblich, dass die Nachbarn ein paar Tage lang gekocht haben für Menschen, die traurig waren, weil jemand gestorben war. Das war eigentlich ein schöner Brauch. Die Fürsorge, das Essen, der Geruch und Geschmack des Lebens – das hilft den Trauernden. Es hilft ihnen, das Leben wieder zu spüren. Und ich glaube: Das ist eine Möglichkeit, wie man auch Gottes Nähe wieder spüren kann. Denn Gott ist der Freund des Lebens.

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Joh 20,1-18

„Das Grab ist leer, der Held erwacht, der Heiland ist erstanden.“ Ein schönes Osterlied. Voller Kraft, Zuversicht und Freude. „Da sieht man seiner Gottheit Macht, sie macht den Tod zuschanden.“ Mit tiefer Inbrunst werde ich es in diesen Tagen singen.

Wenn ich aber die biblischen Texte höre, die heute am Ostermorgen in den feierlichen Gottesdiensten in der katholischen Kirche vorgelesen werden, dann bin ich schon wieder ein bisschen zurückhaltender mit meiner Inbrunst. Singe nicht so laut vom Held, der da „erwacht und macht den Tod zu Schanden.“

Denn die, die da auftreten in der Ostergeschichte: Maria von Magdala, Petrus und Johannes sehen erstmal nicht den Helden, der den Tod überwunden hat. Sondern sie sehen nur das leere Grab. Sie gehen davon aus, dass man den Leichnam Jesu gestohlen hat. Auf die Idee seiner Auferstehung kommen sie nicht. Das ist einfach zu abwegig, zu unglaublich. Die beiden Jünger kehren vom leeren Grab wieder nach Hause zurück, während Maria von Magdala noch dort bleibt. Und jetzt berichtet die Bibel von Erscheinungen, die sie hat. Zuerst zwei Engel, die sie aber nicht beeindrucken. Und dann Jesus selbst, aber sie erkennt ihn nicht. Hält ihn für den Gärtner. Sie ist ganz gefangen von der Frage, wo man den Leichnam Jesu hingebracht hat. Erst als Jesus sie mit ihrem Namen anspricht: „Maria“, erkennt sie im Gärtner den Auferstandenen und spricht ihn an mit Rubbuni, das heißt Meister. Und mit dieser Geschichte, dieser Erscheinung der Maria von Magdala beginnt er, der Auferstehungsglaube, der Glaube, dass der Tod nicht das letzte Wort hat.

Die Frage, ob es wirklich der auferstandene Jesus oder doch nur der Gärtner war, stelle ich mir immer wieder. Und ich gebe zu, dass ich mit dem inbrünstigen Singen von „Das Grab ist leer, der Held erwacht“ manchmal auch gegen meine eigenen Zweifel ansinge. Aber wenn schon große Heilige wie Petrus, Johannes und Magdalena eine Zeit gebraucht haben, um im leeren Grab den auferstandenen Jesus zu entdecken, dann ist das wohl in Ordnung.

Heute ist Ostersonntag. Ich will mich freuen, für Zweifel ist auch nächste Woche noch Zeit. Deshalb voller Inbrunst: „Das Grab ist leer, der Held erwacht, der Heiland ist erstanden!“ Halleluja und frohe Ostern.

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