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SWR1 3vor8

 „Was ich mit meinem Geld mache, das geht niemanden etwas an“. Das sagen viele und ich verstehe das. Gerade beim Geld lasse ich mir auch nicht gern reinreden.
Jesus hat das aber anders gesehen. Er hat genau hingeschaut, wie die Leute mit ihrem Geld umgehen. Dazu hat er sich an den Gotteskasten im Tempel in Jerusalem gesetzt und beobachtet. Im Gotteskasten wurde damals eine Art Kirchensteuer eingesammelt: Für den Erhalt des Tempels, für die Angestellten dort und für die Unterstützung Bedürftiger. Was Jesus da sieht, darüber wird heute in den evangelischen Gottesdiensten gepredigt (Mk 12, 41-44).

Zuerst sieht er das Selbstverständliche: Viele Wohlhabende geben viel. Wie gut, dass es die bis heute gibt! So vieles könnte auch heute nicht geschehen ohne die Spenden und Stiftungen der Wohlhabenden. Sicher, es war und ist gut für das Image, wenn man Gutes tut. Heute kann man das sogar noch von der Steuer absetzen. Aber vor allem: Geben macht glücklich! Eigentlich alle, die sich irgendwo engagieren, sagen: Es tut mir gut, dass ich das kann. Es ist schön, zu sehen, wie das den Menschen hilft, was ich gebe.

Aber dann sieht Jesus eine arme Witwe am Gotteskasten. 2 Scherflein, das ist ihre ganze Habe. Zwei Scherflein – davon könnte sie höchstens ein paar Tage leben. Und das legt sie in den Gotteskasten. Man kann das leichtsinnig finden und leichtfertig. Morgen muss sie womöglich betteln gehen. Aber Jesus lobt die arme Frau. Warum? Findet er gut, dass sie so leichtfertig ist?

Ich glaube, er lobt sie, weil sie sich nicht versteckt. Viel Arme verstecken sich ja. Wollen nicht, dass man bemerkt, wie es ihnen geht. Mögen nicht um Unterstützung bitten. Diese Frau ist anders. Sie will sich beteiligen. Mit ihrer Spende zeigt sie: Dieser Tempel liegt auch mir am Herzen. Er gehört nicht nur den Reichen. Ich tue auch, was ich kann, um ihn zu erhalten. Und: Sie will auch zu denen gehören, die helfen können. Geben ist seliger als Nehmen. Die Frau will auch selig sein. Glücklich, weil sie anderen helfen kann.
Ob ich nun wirklich den Armen raten will, alles herzugeben? Die arme Witwe von damals als Vorbild für heute?

Nein, das will ich nicht. Ich glaube auch nicht, dass Jesus das wollte. Er hat nicht gesagt, die Frau sei der bessere Mensch. Er hat beobachtet und gibt mir seine Beobachtung weiter.  Ich nehme die Frau deshalb zuerst einmal als Vorbild für mich. Ich bin zwar nicht arm. Aber von der Frau lerne ich: Geben tut gut. Geben macht Freude. Und es muss ja nicht Geld sein. Ich kann auch Zeit geben, Mitgefühl, Fürsorge, Arbeitskraft.
Vielleicht finden auch Sie sich wieder in dieser Geschichte. Mehr bei ihr – oder mehr bei den Wohlhabenden. Jesus sieht beide

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