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SWR1 3vor8

 (Mt 5,17-37)
„Jesus Christus hat weder die Liebe noch die Reinheit geschaffen. Er hat sie vielmehr zurückerobert für die Menschen!“ Dieser Satz ist vom französischen Theologen Jean Baptiste Lacordaire. Und er passt sehr gut zu dem Text, der heute in den Katholischen Kirchen zu hören ist. Eine  Passage aus der Bergpredigt, in der es um Liebe und Reinheit geht. Eine Passage die bis heute provoziert, weil Jesus da mal wieder ziemlich radikal ist. Er spricht zu seinen Jüngern und versucht ihnen klarzumachen, worin sich seine Botschaft von der ihrer Herkunftsreligion, dem Judentum, unterscheidet. Nein, genauer ausgedrückt, wodurch dieser Glaube erst richtig zu sich selbst kommt: durch die Reinheit des Herzens. Jesus will dass seine Jünger nicht nur die Gebote äußerlich befolgen, sondern dass sie deren Sinn verinnerlichen und sich dementsprechend verhalten. Dass sie zum Beispiel nicht nur nicht töten sollen, sondern niemanden beschimpfen oder schlecht über jemanden reden. Denn das eine wie das andere hat denselben Ursprung. Dass sie nicht nur keinen Meineid schwören sollen, sondern dass sie gar nicht schwören sollen. Denn wer ein reines Herz hat, der spricht nur die Wahrheit und muss darum auch nicht Gott instrumentalisieren um das glaubhafter zu machen was er sagt. Und wer Jesu Botschaft folgt, begeht Ehebruch nicht erst wenn er mit der Frau eines anderen schläft, sondern bereits wenn er sie mit seinen Blicken auszieht. Denn schon dadurch beraubt er sie ihrer Würde und bricht ein in den Intimbereich eines anderen Paares. Bei all diesen Beispielen radikalisiert Jesus die gängigen Gebote seiner Zeit. Aber nicht durch eine rechtliche Verschärfung oder durch prüde Denkverbote, sondern durch die Reinheit des Herzens, die er eben für die Menschen zurückerobern will. Also weg von der puren Befolgung von Geboten und hin zur Quelle dieser Gebote: der Liebe zu Gott und der Liebe zu den Menschen. Diese Liebe wohnt in Herzen die rein sind. Und da geht es immer um die Würde von Menschen, um Wohlwollen und Freiheit. Die Freiheit Lebenspendendes zu tun und Lebensfeindliches zu lassen. Weiß Gott ein hohes Ideal, keine einfache Haltung. Damals wie heute.  Wie es der Zufall will, habe ich mir Anfang dieses Jahres tatsächlich vorgenommen nicht schlecht über Menschen zu denken oder gar zu reden. Erst dabei habe ich gemerkt wie oft ich das tue. Und wie weit weg ich von einem reinen Herzen bin. Aber ich kann ja daran arbeiten…

 

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