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SWR1 3vor8

Jetzt hilft nur noch ein Wunder! Wer das sagt oder denkt weiß, der ist verzweifelt. Wenn sich herausstellt, dass meine Beschwerden von einer lebensbedrohlichen Krankheit kommen. Wenn Menschen auf der Flucht sind und nicht mehr weiter wissen.

In solchen Situationen fühlt man sich ganz hilflos. Dann hoffen viele auf ein Wunder. Sogar Skeptiker tun das, obwohl sie nicht wirklich an Wunder glauben. Wunder sind Ereignisse, in denen Menschen sehen, wie Gott direkt eingreift. Heute steht eines im Mittelpunkt in der Geschichte (Joh 4, 46-54), über die in den evangelischen Gottesdiensten gepredigt wird.

Viele denken beim Stichwort Wunder ja zum Beispiel daran, dass jemand übers Wasser geht oder aus Wasser Wein macht. Das macht viele skeptisch. Aber ist es nicht auch ein Wunder, dass meine 4 Kinder alle gesund zur Welt gekommen sind und jetzt sogar die Enkel? Das habe ich ja nicht selbst machen können, das war ein Geschenk. Ich würde sagen: Ein Wunder.

Ist es nicht ein Wunder, dass die junge Frau, die mit 15 vor der Zwangsverheiratung aus Somalia geflohen ist und ein paar Monate bei mir gewohnt hat, Deutsch gelernt hat, einen Ausbildungsplatz gefunden, und jetzt Freude hat an ihrer Arbeit als Altenpflegerin? Viele haben ihr auf ihrem Weg geholfen. Und es ist gut gegangen. „Ich habe so viel Glück gehabt“ sagt sie. „So viele haben mir geholfen“. Für sie ist das ein Wunder, dass sie es geschafft hat.

Ich glaube, zur Zeit Jesu konnten Menschen das noch stärker sehen als wir: Es ist ein Wunder, wenn es mir gut geht. Normal ist das andere: Dass Kinder sterben, dass Krankheiten unheilbar sind, dass Kriege über die Menschen hereinbrechen und es keinen Ausweg gibt. Für uns heute sind das Ausnahmen. Wir halten es für normal, dass alles gut geht und dass es uns gut geht. Ein Wunder brauchen wir deshalb nur noch in den verzweifelten Ausnahmefällen, wo kein Mensch mehr helfen kann.

Wenn das dann geschehen würde, ein Wunder, wie ein Verzweifelter es erhofft  – dann würde mancher wahrscheinlich auch an Gott glauben. Jesus jedenfalls sieht das so: „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht“, hat er einmal gesagt, „dann glaubt ihr nicht“ (Joh 4, 48). Er hat das gesagt, als ein Vater ihn um Hilfe für seinen todkranken Sohn gebeten hat. Ich glaube nicht, dass er das kritisch gemeint hat. Vielleicht wollte er seinen Zuhörern einfach die Augen öffnen: Schaut mal genau hin. Es gibt so viele Wunder. Ist das nicht Grund genug, auf Gott zu vertrauen? Dem Vater sind damals anscheinend die Augen aufgegangen. Er ist getröstet heimgekehrt. Und der Junge ist gesund geworden. Ein Wunder. Es ist immer ein Wunder, wenn etwas heil wird.

 

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