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SWR1 3vor8

 – Matthäus 24,29-44  1. Adventssonntag (A)

Heute ist der erste Advent. Der Advent erstreckt sich bei uns von besinnlicher vorweihnachtlicher Stimmung bis hin zu hektischer Geschäftigkeit. Für manchen Christenmenschen bedeutet diese Zeit vor allem: sich vorbereiten auf Weihnachten, auf die Geburt Jesu. 

Es gibt noch eine andere Seite des Advent, eine durchaus dramatische. Ein Text im Matthäus Evangelium lenkt den Blick auf das Ende von allem. Advent als Vorbereitung auf das Ende der Welt. Davon ist heute in den katholischen Gottesdiensten zu hören. Jesus spricht in apokalyptischen Bildern: Sonnenfinsternis. Sterne kollidieren. Das Weltall gerät aus den Fugen. Könnte zu einem Sciencefiction-Film passen, à la: „Die letzten Tage der Erde“. 

Zur Zeit Jesu rechnen die Menschen damit, dass die Welt einmal untergeht, möglicherweise sogar bald untergeht. Aber warum spricht Jesus in so dramatischen Bildern? Ich denke, um seine Zuhörer wach zu rütteln, nicht um ihnen zu drohen. Er möchte sie daran erinnern: Alles ist begrenzt, gefährdet, vergänglich. Vor allem stellt Jesus den Menschen das kommende Gottesreich in Aussicht. Dass alles gut und heil wird in Gottes neuer Welt. Darauf sollen sie sich einstellen. 

Dabei will Jesus den Menschen - entgegen aller Weltuntergangszenarien - nicht Angst und Schrecken einjagen. Im Gegenteil. Er macht seinen Zuhörern Mut: Sie sollen auf Gott vertrauen. Von ihm können sie Hilfe, Kraft und Trost erwarten. Deshalb sein Apell: Seid wachsam! Haltet euch bereit! Für mich heißt das auch: Ich kenne die Verzweiflung darüber, was Schlimmes in unserer Welt passiert. Und ich habe ebenso die Hoffnung, dass doch noch alles gut werden könnte. Diese Spanne möchte ich aushalten. Solche Hoffnung ist für mich verankert in dem Vertrauen: Was auch immer geschieht, folgt keinem blinden Schicksal. Wir können vielmehr zuversichtlich sein, dass am Ende von Raum und Zeit nichts kommt, was uns ängstigen sollte. 

Advent bedeutet für mich deshalb auch: Ich soll den Mut nicht verlieren und trotz der vielen Bedrohungen heute beständig bleiben. Ich soll mich nicht verführen und nicht verrückt machen lassen. Was auch immer passiert – Jesu Botschaft ist für die Menschen damals und für uns heute: „Evangelium“. Eine Botschaft, die uns die Angst vor der Zukunft nehmen möchte.

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