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SWR1 3vor8

Exodus 32,7-11.13-14

24. Sonntag im Jahreskreis (C)

Ein seltsamer Text ist heute in den katholischen Gottesdiensten zu hören. Gott ist zunächst wütend auf sein Volk Israel. Dann bereut er seinen Zorn wieder. Was ist passiert? Warum ist Gott zornig? Das Volk Israel hatte sich von Gott abgewandt und sich fremden Göttern verschrieben. Aber warum ändert Gott sein Verhalten? Anscheinend nicht weil Gott nachsichtig geworden wäre. Sondern weil ihn Mose bedrängt und schließlich umgestimmt hat.*

Was aber bedeutet die Rede vom Zorn Gottes? – Die Menschen waren schon immer schnell dabei, sich einen zornigen Gott vorzustellen, wenn sie sich mit den dunklen oder unerklärlichen Seiten des Lebens konfrontiert sahen. Manche Menschen sind es gewohnt, so von Gott zu denken. Das hatte man einem auch lange genug gelehrt und anerzogen.

Ich bin aber davon überzeugt: Alle Bilder und Vorstellungen, die wir von Gott haben, sagen sehr viel aus über unsere Vorstellungen von ihm, aber wohl kaum etwas über Gott selbst. Abgesehen davon gibt es für mich zwei mögliche Erklärungen für die Rede vom Zorn Gottes.

Zum einen: Gott wird hier sehr menschlich beschrieben. Er thront nicht erhaben in seinem Himmel und lässt uns auf Erden zappeln. Wir sind Gott nicht gleichgültig. Er lässt sich betreffen von dem, was wir tun und lassen. Er nimmt unsere Freiheit ernst, weiß aber auch um unsere Schwachheit. So kippt Gottes Zorn dann wieder. Und seine Treue bricht durch, seine Nachsicht und sein Erbarmen.

Eine zweite Überlegung: Hier stütze ich mich auch auf Erkenntnisse der Bibelwissenschaft. Das Hebräische – die Sprache des Alten Testaments – kennt die beiden Wörter „strafen“ und „Strafe“ nicht. Wo in den Übersetzungen von „Strafe“ oder „strafen“ die Rede ist, geht es lediglich um die Folgen von dem, was Menschen tun oder lassen. Gott straft nicht.

Auch wenn manchen Menschen das Bild eines belohnenden und strafenden Gottes noch vertraut ist - solche menschlichen Vorstellungen können Gott nie gerecht werden. Nicht dem Gott, den die Propheten Israels verkündet haben. Schon gar nicht dem Gott, den Jesus verkündet und bezeugt hat. Für ihn ist Gott voraussetzungslos Liebe, Liebe ohne Schatten, ohne Hintergedanken. Ihm liegt unser Glück und Wohlergehen am Herzen.

 

Vgl. dazu auch: Genesis 18,23-33, Abraham ringt mit Gott

   um die Verschonung der Stadt Sodom.

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