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SWR1 3vor8

Wenn ich mich sorge, kann ich nicht klar denken. Ich bin dann ganz fahrig und weiß nicht, was ich machen soll. Meine Gedanken drehen sich im Kreis. Und mit jeder Runde im Kreis sorge ich mich mehr. Manchmal ist es dann sogar so, dass ich keinen vernünftigen Satz mehr sagen kann. Das war zum Beispiel so, als eines unserer Kinder mal einen Notarzt benötigt hat. Ich habe mich da sehr um unser Kind gesorgt. Sein Zustand sah für mich als medizinischen Laien nämlich zeitweise dramatisch aus. Da konnte ich keinen klaren Gedanken fassen. Deshalb auch nichts Vernünftiges tun. Stattdessen habe ich mir ausgemalt, was alles passieren könnte. Da ging dann gar nichts mehr.

Ich habe auch versucht zu beten. Gott zu sagen, wie es mir geht. Dass ich mich um unser Kind sorge. Dass ich nicht weiß, was passieren wird. Aber auch da habe ich keinen vernünftigen Satz herausbekommen. Ich habe gestammelt, passende Wörter gesucht. Gefunden habe ich sie nicht. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass Gott mich hört und versteht. Das hat mir gut getan.

Im Grunde habe ich damals das gemacht, was Petrus in einem Brief Mitchristen empfohlen hat. Über diesen Bibelabschnitt wird heute in den evangelischen Gottesdiensten gepredigt. Da heißt es: „Alle eure Sorge werft auf Gott; denn er sorgt für euch“ (1Petr 5,7).

Ich habe das damals erlebt. Gott hat für mich gesorgt, obwohl ich keinen geraden Satz herausbekommen habe. Er hat trotzdem genau gewusst, was mir guttut. Ich bin dann nämlich ruhiger geworden. Meine Gedanken haben sich nicht mehr wild im Kreis gedreht. Ich habe mich immer noch gesorgt, natürlich. Und unser Kind war auch nicht von jetzt auf gleich wieder ganz gesund. Aber ich konnte dann mithelfen, dass ihm gut geholfen werden konnte. Ich habe daraufhin auch mit einem der Sanitäter über meine Sorgen sprechen können. Er konnte mich gut verstehen, aber auch beruhigen. Denn er konnte die Situation besser einschätzen als ich.

Wenn es schwierig wird, kann ich beten. Ich bin froh, dass ich das weiß. Hoffentlich denke ich dran, wenn es wieder mal so ist. Ich kann alle meine Sorgen auf Gott werfen. Auch wenn ich gar nicht weiß, was ich sagen soll. Ich bin mir sicher, Gott versteht mich dann trotzdem. Beten hilft mir, meine wilden Gedanken zu unterbrechen. Aus der Abwärtsspirale meiner Gedanken herauszukommen. Ich werde ruhiger, weiß besser, was mir hilft. Und ich sehe, wie ich helfen kann. Ich will daran denken, wenn ich wieder große Sorgen habe. Das macht den Kopf klar: Denn Gott sorgt für mich.

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