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SWR1 3vor8

Nachrichten sind wichtig. Sie zeigen, was los ist. Dann kann man sich darauf einstellen. Aber manchmal verstärken die Nachrichten auch die Angst. Für mich war vorgestern so ein Tag. Gegen Abend die ersten Nachrichten von der Schießerei in München. Dann haben sich die Nachrichten aus München überschlagen. Eine ganze Stadt im Alarmzustand, hatte man das Gefühl. Alle möglichen Spekulationen und Gerüchte.

Je mehr ich zugeschaut habe, desto größer ist die Sorge bei mir geworden. Nizza, Würzburg, jetzt München? In den Medien haben sie gefragt: Wird das jetzt immer so weiter gehen? Eine „mutwillig rauschhafte Nervosität“ ist entstanden. So hat jemand die Stimmung beschrieben. Ich finde, das trifft es gut. Da war nur noch Angst und Sorge. Kaum noch ein klarer Gedanke.

Wie erst mag es denen gegangen sein, die direkt betroffen sind? Ich denke an die Eltern und Angehörigen der Getöteten. Hoffentlich haben sie alle jemanden, der bei ihnen ist und mit ihnen aushält.

Was kann man tun, fragen jetzt viele und kann man überhaupt etwas tun. Unsicherheit und Verwirrung sind groß – woran kann man sich halten?

In den evangelischen Gottesdiensten wird heute aus einem Brief des Apostels Paulus vorgelesen. Der beschreibt darin, wie ihm eines Tages alles unsicher geworden ist, worauf er sich bis dahin verlassen hatte. Von einer Stunde auf die andere war alles anders. Und dann? Paulus schreibt: Genau da, in dieser Situation habe ich begriffen, was wirklich wichtig ist. Wirklich wichtig und ein tragfähiger Grund nach solchen Erlebnissen ist es, an Christus zu glauben (Phil 3, 8).

Und was soll das heißen? An Christus glauben in Zeiten von Angst und Sorge?

Ich denke, er meint: So leben, wie Christus es vorgelebt hat. Darauf vertrauen, dass das im Sinn Gottes ist. Weil es die Welt zu einem besseren, menschlicheren Ort macht.

Also: Barmherzig sein, so wie Jesus es war. Nicht Gerüchte streuen und Menschen verdächtigen, sondern die ehrlich und sachlich informieren, die vorsichtig sein müssen. So wie es die Polizei in München getan hat. Mit denen aushalten, die nicht mehr weiter können. Das haben in München viele getan, die Gestrandete bei sich aufgenommen haben. Besonnen unterscheiden: Was weiß man, was ist los und was ist erst einmal nur eine Vermutung.

In München haben das viele geschafft. Haben sich nicht mitreißen lassen von der Nervosität und den Sorgen. Sondern tapfer ihre Arbeit gemacht.

So leben, wie Christus es vorgelebt hat: Freundlich und besonnen. Tapfer der Angst widerstehen. Dann ist die Welt ein Ort, an dem Menschen gern leben. Trotz allem.

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