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SWR1 3vor8

16. Sonntag im Jahreskreis C (Gen 18)

Es kommt vor, dass Dinge nicht gesagt werden, die gesagt werden müssten. Das ist manchmal interessanter als das, was man erfährt. Bei einer Bibelstelle, die heute in den katholischen Gottesdiensten gelesen wird, ist das so. Der Text bricht nämlich genau dort ab, wo es spannend zu werden beginnt. Bevor die Person, um die es geht, selbst zu Wort kommen kann. Sara, die Frau von Abraham. Sie lacht über das, was Gott sagt. Und dieses Lachen will man offenbar lieber verschweigen.

Die Vorgeschichte ist schnell erzählt. Abraham und Sara bekommen Besuch von drei Männern. Abraham kümmert sich um sie und kapiert recht schnell, dass es sich dabei nicht um einen normalen Besuch handelt, sondern dass die Drei eine Botschaft von Gott dabei haben. Sie lautet: In einem Jahr … wird deine Frau Sara einen Sohn haben. (Genesis 18,10a) Bisher hat es mit den Nachkommen nicht geklappt. Abraham macht sich Sorgen, weil er alt ist und seine Frau die Wechseljahre längst hinter sich hat. Keine Kinder zu haben gilt zur damaligen Zeit als Schande, ja, als Indiz dafür, dass Gott einen verlassen hat. Und jetzt so ein Versprechen: Das kommt ihm gerade Recht. Wenn man aber an der Stelle weiter liest, wo der Text im Gottesdienst heute abbricht, heißt es: Sara hörte am Zelteingang hinter seinem (Abrahams) Rücken zu … und lachte still in sich hinein. (Genesis 18,10b.12a)

Sara lacht also. Still, wie es sich für eine Frau zu der Zeit gehört. Aber immerhin. Sie lacht, weil sie das nicht glauben kann, was sie da hört. Sara lacht über ihren Mann und  über Gott, dem sie nicht zutraut, was sie biologisch für ausgeschlossen hält. Mit ihrem Lachen wehrt sie ab, woran sie nicht einen Gedanken verschwenden will.

Es gefällt mir, dass die Bibel erzählt, wie jemand Gott nicht gleich alles glaubt; dass es neben dem gläubigen Abraham auch die skeptische Sara gibt. Und ich finde es schade, dass das heute in unseren Gottesdiensten verschwiegen wird. Jammerschade. Denn genau das passiert doch, wenn ich und andere mit Gott zu tun bekommen. Ich wundere mich, ob etwas so Unglaubliches stimmen kann. Ich prüfe, ob es realistisch ist, ob es mit dem zusammen passt, was ich schon so erlebt habe. Ich weiche aus oder wehre mich. Da ist ein Lachen noch die harmloseste Variante.

Sara wird tatsächlich schwanger und bringt Isaak zur Welt. Gott nimmt Sara ihr Lachen nicht krumm. Er scheint zu wissen, dass es nicht leicht zu akzeptieren ist, welche Pläne er mit jedem einzelnen von uns hat.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag.

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