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SWR1 3vor8

Im ersten Überschwang der Gefühle geht alles leicht. Wenn man frisch verliebt ist zum Beispiel. Da geht schon mal mit zum Fußball, wer sich sonst gar nichts daraus macht. Und findet‘s toll. Und eine, die Tanzen blöd findet, ist zum gemeinsamen Tanzkurs bereit. Wenn man frisch verliebt ist, geht fast alles.

So ähnlich war es vielleicht auch bei den ersten Christen. Was sie mit Jesus erlebt oder von ihm gehört haben, hat sie beflügelt. Und als sie gespürt haben: Er ist nicht tot, er ist bei uns mit seinem Geist – da waren sie – ganz wörtlich – begeistert. In der Bibel wird davon erzählt, wie das war. Am meisten beeindruckt mich, wie sie mit ihrem Besitz umgegangen sind. „Alle Glaubenden hielten zusammen und verfügten gemeinsam über ihren Besitz“, steht da. „Sie verkauften Grundstücke oder sonstiges Eigentum und verteilten den Erlös an die Bedürftigen.“ (Apg 2, 45) Am heutigen Sonntag handeln die Predigten in den evangelischen Gottesdiensten davon.

Na, ja, denke ich mir. Ob das mal so gestimmt hat mit dem Teilen. Gut, wenn man begeistert ist, dann geht viel. Außerdem: damals haben viele gedacht, dass das Ende der Welt nah ist und Gottes Reich kommt. Da braucht man nicht mehr so viel.

Aber das Ende hat sich hingezogen. Nach der ersten Begeisterung haben sie gemerkt: Wir werden uns auf eine längere Zeit einrichten müssen. Da kann es nicht schaden, sich abzusichern, auch finanziell.

Trotzdem hat ein Mann namens Lukas aufgeschrieben, wie es am Anfang war. Und später hat man seinen Bericht in die Bibel aufgenommen – da war die Zeit der ersten Begeisterung schon lange vorbei. Da war schon lange der Glaubensalltag eingezogen.

Warum, frage ich mich nun, haben sie trotzdem von dem schwärmerischen Anfang erzählt? Warum lese ich davon noch heute in der Bibel? Wollten sie mir sagen, früher war alles besser? Soll ich ein schlechtes Gewissen kriegen, weil ich ein Sparkonto habe?

Das glaube ich nicht. Schon ein paar Seiten weiter wird in der Bibel berichtet, dass auch damals bei manchen das Sicherheitsbedürfnis größer war, als die Bereitschaft abzugeben.

Ich finde es trotzdem wichtig, mich an die Anfänge zu erinnern. So, wie es gut tut, sich die alten Fotos anzuschauen, die einen erinnern: War das nicht schön, als wir zusammen zum Fußball gegangen sind und zum Tanzkurs? Sollten wir das nicht noch einmal probieren? Muss ja nicht ein ganzer Kurs sein. Ein Abend wär ja auch schon schön.

Genauso frage ich mich: Ist das nicht gut, wenn man gemeinsam überlegt, wozu und wie Geld ausgegeben oder angelegt werden soll? So dass nicht nur ich etwas davon habe, sondern auch andere? Vielleicht kommt dann auch etwas von der Begeisterung des Anfangs zurück.

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