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SWR1 3vor8

 (zu Jes. 66, 10-14c)

Da liegt eine Stadt in Schutt und Asche. Das Heiligste dieser Stadt ist zerstört, den Menschen geht es schlecht. Sie hungern, verrohen und verlieren den Glauben an die Menschheit und an Gott. Nein, ich spreche nicht von Homs oder Aleppo, sondern von Jerusalem. Von Jerusalem vor rund zweieinhalbtausend Jahren. Zu dieser Zeit war auch diese Stadt am Boden. Und da tritt ein Mann auf und spricht folgende Worte zu den Menschen dieser Stadt:

„Freut euch mit Jerusalem! Jubelt in der Stadt, alle, die ihr sie liebt. Seid fröhlich mit ihr, die ihr über sie traurig wart. Saugt euch satt an ihrer tröstenden Brust, trinkt und labt euch an ihrem mütterlichen Reichtum! Denn so spricht der Herr: Seht her: Wie einen Strom leite ich den Frieden zu ihr und den Reichtum der Völker wie einen rauschenden Bach. Ihre Kinder wird man auf den Armen tragen und auf den Knien schaukeln. Wie eine Mutter ihren Sohn tröstet, so tröste ich euch; in Jerusalem findet ihr Trost. Wenn ihr das seht, wird euer Herz sich freuen und ihr werdet aufblühen wie frisches Gras…“.

Da könnte man doch meinen der Mann sei zynisch oder verrückt. Und ja, verrückt könnte in gewissem Sinn zutreffen. Dieser Mann, der Prophet Jesaja, ver-rückt die Perspektive. Wider alle wahnsinns‘ Wirklichkeit setzt er Hoffnung. Indem er den Blick weit über die triste Gegenwart hinaus richtet. In großen Bildern zeichnet er die Vision einer Stadt in paradiesischem Frieden. Einer Stadt, in der die Menschen in Frieden mit Gott und sich selbst leben. Der Prophet Jesaja will mit seinen scheinbar verrückten Worten die Verbindung der Menschen zu Gott aufrecht erhalten. Und ihnen so Trost und Hoffnung geben. Nicht vertrösten, sondern ihnen mit dem Glauben wieder Lebenskraft und Zuversicht vermitteln. Sie aufrütteln, sie aufbauen, sie wieder aufleben lassen durch seine Vision einer wieder besseren und schöneren Welt. Diese zweieinhalbtausend Jahre alten Worte geben auch mir Trost und Hoffnung. Wenn ich an Homs, Aleppo und andere Orte denke, an denen Menschen die Hölle auf Erden bereitet wird. Diese Worte geben mir auch Trost und Hoffnung, wenn ich an die Katastrophen im persönlichen Leben von Menschen denke. Die Worte es Propheten Jesaja sind heute in den Katholischen Kirchen zu hören. Und ich bin froh, in der Bibel immer wieder auf so zeitlos große Worte zu treffen. Worte, die Hoffnung geben. Hoffnung inmitten zerstörter Hoffnungen…

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