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SWR1 3vor8

Galater 3,26-29 - 12. Sonntag im Jahreskreis (C)

 „Kleider machen Leute“ – dieser Spruch hat was für sich. Der galt bereits in der Antike. Kleider haben seit jeher vielfältige Funktionen. Sie dienen zum Schutz, lassen eine bestimmte Volkszugehörigkeit erkennen und bezeichnen unterschiedliche Amtsaufgaben. Entsprechende Kleider trägt man in biblischen Zeiten zum Zeichen der Buße, in Krankheit, um Freude oder Trauer auszudrücken. 

Heute kleiden sich die einen schlicht und einfach, weil das für sie nicht so wichtig ist oder weil sie es sich finanziell nicht leisten können. Andere mögen es nur vom Feinsten. Manche in Uniform – in weltlicher oder in geistlicher Uniform – betonen auch heute noch, wie bedeutend sie sind. Kleider machen eben Leute. 

In einer Ausstellung waren jeweils zwei Fotos von verschiedenen Personen zu sehen, die jeweils anders gekleidet sind. Auf der einen Seite - eine freundlich lächelnde Mittdreißigerin in Jeans und Pulli. Sie wirkt, als könnte man Pferde mit ihr stehlen. Dann sieht man sie in ihrer Dienstkleidung, einem olivgrünen Overall der Schweizer Luftwaffe. Alle Achtung! Anderes Bild: Ein Kardinal in seiner schwarzen Soutane mit roter Bauchbinde und geschwellter Brust. Er flößt dem Betrachter ziemlichen Respekt ein. Im Urlaub erscheint er ganz normal in kurzer Hose. – Die Wirkung ist frappierend. Andere Kleidung – anderer Mensch.* 

Und dann ist heute in den katholischen Gottesdiensten zu hören: „Jesus Christus legt sich mir selbst als Gewand an“. Wie soll denn das gehen? 

Ich verstehe das so: „Jesus als Gewand anlegen“ bedeutet für mich Geborgenheit und Halt im Glauben. Ich fühle mich beschützt und darf vertrauen, dass mich nichts und niemand von seiner Liebe trennen kann, was auch immer passiert. 

„Jesus als Gewand anlegen“ – das könnte auch bedeuten, dass ich ein „anderer Mensch“ werde. Dass ich sensibler werde für die Mitmenschen. Ich brauche ja nicht gleich jeder und jedem um den Hals zu fallen. Aber ich möchte mich bemühen, anderen mit Respekt und Toleranz zu begegnen; in meinem Umfeld für ein freundliches Klima zu sorgen; ein feines Gespür zu entwickeln für Menschen, die mich in einer Notlage brauchen. – „Von Jesus angetan“ möchte ich ein „anderer Mensch“ werden.  

 

Stuttgarter Zeitung, 01. März 2016, S.22 – zu: Ausstellung

   „Kleider machen Leute – was Mode mit uns macht“,

   Bücherei Waiblingen (01. März – 07. April 2016)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=22187