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SWR1 3vor8

7. Sonntag der Osterzeit C (Joh 17,20-26) 

Das mit der Ökumene ist gar nicht so einfach. Obwohl sich viele dafür engagieren, gelingt der entscheidende Schritt nicht. Und so leben nach wie vor die unterschiedlichen Richtungen in der Christenheit nebeneinander her. Jede Konfession hat ihre eigenen Traditionen und Gepflogenheiten. Die Evangelischen feiern Abendmahl an Karfreitag, die Katholischen gerade nicht. Und zusammen sowieso nicht. Nachbarskinder gehen entweder in den einen oder den anderen Religionsunterricht. In der evangelischen Kirche werden Frauen seit 1973 auch Pfarrerinnen; in der katholischen dürfen die Pfarrer nicht mal heiraten. Sogar die Betonung mancher Wörter ist anders – je nachdem, in welche Kirche man geht. Das ist eigentlich unglaublich im Jahr 2016, aber es ist wahr: Mit großer Hartnäckigkeit werden die Unterschiede gepflegt. Und viele schütteln darüber irritiert oder verärgert den Kopf.

Ich finde: Absolut zu Recht! Denn die Unterscheiderei macht überall nur Probleme. Ich will den Paaren, bei denen zwei Konfessionen zusammen kommen, nicht bis ins Detail erklären müssen, was die Unterschiede im Verständnis der Ehe sind. Ich will mit ihnen viel lieber über die Schönheit der Liebe sprechen und das Wunder, dass gerade die beiden sich gefunden haben. Ein großer Teil der konfessionellen Feinheiten sind für einen großen Teil der Menschen ungeheuer weit weg. Und ich wäre froh, wenn sie statt der feinen Differenzen lieber etwas vom großen Ganzen kennen lernen würden: Dass Christen den Mund aufmachen, wenn ein Mensch ungerecht behandelt wird. Dass Christen den Muslimen in unserem Land helfen, gut Fuß zu fassen, und überzeugte Glaubende kennen lernen, wenn sie mit Christen zu tun haben.

Dass die Kirchen nach wie vor eitel ihre Eigenheiten pflegen, ist eine große Sünde am Heiligen Geist. Das darf ich sagen, weil es in der Bibel fast wörtlich so steht: Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast (Joh 17,21). Diese Sätze werden heute in den katholischen Gottesdiensten gelesen. Sie sind ein Teil von dem Gebet, das Jesus zum Abschied gebetet hat, bevor es ernst wurde und er sich den religiösen Führern seines Glaubens gestellt hat. Was Jesus im Gebet mit Gott bespricht, ist sein Vermächtnis; das, was ihm am wichtigsten ist, was nicht vergessen werden soll. Ich kann es nur so sagen: Erst wenn die Christen endlich eins sind, wird die Welt ihnen glauben.  

Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag.

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