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SWR1 3vor8

 oder Gott ist mein Schutz (Joh 10, 27f. + Psalm 23) 

Es ist ein schönes Bild, mit dem aber viele Leute nicht mehr viel anfangen können: das Bild vom guten Hirten. Heute ist wieder davon in den katholischen Kirchen zu hören. Das Bild von Jesus als dem guten Hirten und den Menschen, die ihm folgen als seine Herde von Schafen. 
Dieses Bild ist uns fremd geworden, weil wir in unserer technisierten und verstädterten Welt kaum noch Schafsherden mit Hirten sehen. Und dem modernen, selbstbestimmten Menschen ist auch das Bild einer Herde suspekt, die blind einer Führungsfigur folgt. Das ist – angesichts der deutschen Geschichte – zwar verständlich, aber auch schade. Denn damit ist auch das Gespür für das Gottesbild verloren gegangen, das im Bild vom guten Hirten und seiner Herde steckt. Bei dem es um Vertrauen geht, um Geborgenheit und Schutz. Um Sorge und Fürsorge. Papst Franziskus hat genau das gemeint, als er seinen Bischöfen und Kardinälen ins Gebetbuch geschrieben hat, dass die Hirten nach den Schafen riechen sollten. Sprich, dass sie sich nicht eitel um sich selbst oder ihre Macht kümmern sollen, sondern um die Seelen der Gläubigen sorgen. Und etwas von der Schönheit dieses Glaubens vermitteln, inmitten einer Welt, die der persönlichen Streits und der politischen Kriege nie müde wird. Wie zu allen Zeiten der Menschheit – Gott sei’s geklagt. Das war auch schon vor 3000 Jahren so, als ein Mensch einen wunderbaren Psalm geschrieben hat, den Psalm 23 „Der Herr ist mein Hirt“. In diesem Psalm beschreibt er sein Gottvertrauen mit den Bildern seiner Zeit.

Ich will versuchen, das Gottvertrauen dieses Psalms mit meinen Bildern und meiner Sprache auszudrücken:

Gott ist mein Schutz, ist er mir nah, fehlt’s mir an nichts. 
Er schenkt mir paradiesische Ruhe und erfrischt meine müden Gedanken,
erleichtert mein Herz, wenn es schwer ist.
Er führt mich zu mir, wenn ich bei ihm bin.  
Muss ich durch dunkle Täler, fürchte ich mich nicht,
denn da, gerade auch da, ist er bei mir. Und hält mich wenn ich falle.              
Wollen Menschen mir schlecht, tut er mir gut. 
Pflegt meine Seele, hegt meinen Leib und füllt mir den Becher des Lebens. 
Lässt mich wohnen in seinem Haus voll Wärme und Licht, 
immer wieder in dieser Welt. Und dann ganz in der anderen.

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