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SWR1 3vor8

„Auferstehung ist der Kern des Glaubens. Da fängt er an. Das steht am zweiten Osterfeiertag im Mittelpunkt der evangelischen Gottesdienste. Paulus hat das an die ersten Christen in Korinth geschrieben. Sein Spitzensatz ist: „Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichts wert“ (1. Kor 5, 17). So hat Paulus damals denen widersprochen, die gesagt haben: Das Leben endet mit dem Tod. Fertig. Aus. Mehr gibt es nicht zu sagen.

Manchmal überlege ich: Warum ist diese Frage eigentlich so wichtig? Könnte man nicht schlicht sagen: Es gibt keine Beweise, wir werden am Ende ja erleben, wer Recht hat? Dagegen meint Paulus:

Wenn Jesus nicht auferstanden ist, dann ist er bloß ein gescheiterter Gutmensch. Die Welt ist eben keine Blumenwiese. Und die logische Konsequenz? Es lohnt sich nicht, sich für andere zu engagieren und anderen zu verzeihen wie Jesus. Das bringt bloß Ärger..
Das ist das eine.Und das andere: Wenn es nur dieses Leben gibt und weiter nichts kommt, dann muss ich ´wenigstens rausholen, was rauszuholen geht. Dann erwarte ich alles davon, es schön zu haben. Und wenn das nicht klappt – dann habe ich versagt..

Ich glaube das nicht. Ich glaube: Man lebt anders, wenn man Hoffnung hat, die über das Leben hinausgeht. Deshalb ist die Frage nach der Auferstehung für mich so wichtig. Bloß: Wie soll ich das glauben? Wie konnten es andere glauben?

Sie haben Erfahrungen gemacht. Ganz unterschiedliche Erfahrungen. Die Bibel erzählt davon: Maria aus Magdala hat auf dem Friedhof einen Mann getroffen, der freundlich mit ihr geredet hat. Sie hat ihn für den Gärtner gehalten – und später gemerkt: Das war er! Jesus ist auferstanden. Zwei traurige Jünger haben auf dem Weg einen Fremden getroffen und mit ihm gegessen und getrunken und da gingen ihnen die Augen auf. Das war er. Jesus ist auferstanden. Saulus, der Christenverfolger hat eine Erfahrung gemacht, die ihn vom Pferd stürzen ließ. Keiner sonst hat gesehen, was er gesehen hat. Saulus aber hat sich von da an Paulus genannt und verkündigt: Jesus ist auferstanden. Er lebt.
Und wir werden auch auferstehen.

Mir begegnet auch manchmal so ein Gärtner, ein Bekannter, vielleicht oder irgendeine Unbekannte unterwegs. Und im Nachhinein merke ich: Jesus hat mit mir gesprochen. Durch ihren Mund. Jesus lebt und begleitet mich. Sein Geist ist lebendig. Er ist auferstanden und ich stehe mit ihm auf. Jeden Tag. Und am Ende meines Lebens auch. Das macht meinen Glauben lebendig. Immer wieder neu.

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Joh 20,1-18

„Das Grab ist leer, der Held erwacht, der Heiland ist erstanden!“ Das ist so ein typischer Gassenhauer unter den Kirchenliedern. Heute, an Ostern, singe ich dieses Lied gerne. Ja, es macht mir Freude, es gemeinsam mit anderen lauthals zu schmettern. Besonders wenn es da heißt: „da sieht man seiner Gottheit Macht, sie macht den Tod zu Schanden.“ Welch  wunderbare Botschaft!

So wunderbar, dass sie nur schwer zu glauben ist. Auch wenn ich im Gottesdienst voller Inbrunst dieses Lied singe, so kenne ich doch auch meine Zweifel. Spätestens wenn ich das nächste Mal am offenen Grab eines Freundes stehe. Dann  werde ich mir wieder die bohrende Frage stellen, war das Grab wirklich leer? Ist Jesus auferstanden? Und wird deshalb mein Freund auch auferstehen? Werden wir uns wieder sehen? Im Himmel?

Ich weiß es nicht, ich will es glauben, doch immer schaff ich es nicht. Der Zweifel ist da. Der Zweifel, der heißt: Alles nur Einbildung. Die Jüngerinnen und Jünger Jesu wollten sich mit dem Tod Jesu nicht abfinden und haben sich deshalb das leere Grab und  die Auferstehung nur eingebildet.

Heute Morgen wird in den katholischen Gottesdiensten die Ostergeschichte nach dem Evangelisten Johannes vorgelesen: Maria von Magdala geht am frühen morgen allein zum Grab und findet den Stein weggewälzt. Für sie ist klar: Man hat den Leichnam Jesu gestohlen. Die Idee der Auferstehung ist ihr nicht gekommen. Sie geht zurück, holt Verstärkung: Petrus und Johannes. Sie sehen auch in die leere Grabhöhle. Aber auch sie reden nicht von Auferstehung. Sondern einigermaßen verwirrt verlassen sie das Grab wieder. Maria aber harrt aus, bleibt im leeren Grab. Und ihr erscheinen dann zwei Engel und ein Mann, den sie für den Gärtner hält. Als der sie mit ihrem Namen anspricht: Maria! Erkennt sie, dass es Jesus selbst ist.

Einbildung oder Realität? Fakt ist, dass auf alle Fälle Maria von Magdala nach dieser Begegnung aufsteht, aufersteht. Sie sich aufmacht, zu den Jüngern geht und verkündet: Ich habe den Herrn gesehen. Und seit dieser Zeit  ist der Glaube an die Auferstehung Jesu in der Welt. Und dieser Glaube lässt seit 2000 Jahren Milliarden von Menschen immer wieder aufstehen. Und auch mir gibt er trotz aller Zweifel immer wieder Kraft und deshalb singe ich heute Morgen gerne: „Das Grab ist leer, der Held erwacht, der Heiland ist erstanden.“

Ich wünsche ihnen ein frohes und gesegnetes Osterfest.

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