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SWR1 3vor8

Ich habe eine Mail bekommen, die mich gewundert hat. Ich würde gern mit Ihnen drüber nachdenken. Vielleicht haben Sie später Lust, mir zu schreiben, was Sie dazu denken. Dem e-Mailschreiber ging es drum, was Freiheit ist.

Er hat geschrieben: „Es kann ja sein, dass etwas moralisch richtig ist. Was man tun sollte. Trotzdem fängt für mich Freiheit erst danach an: Ich will selbst entscheiden, ob ich das tue, was moralisch richtig ist oder nicht. Das ist meine Freiheit.“ Ist das Freiheit, habe ich mir überlegt?

Und versucht, mir das konkret zu machen: Angenommen, Sie oder ich kommen zu einem Unfall. Es hat Verletzte gegeben. Da ist es moralisch richtig, dass ich helfe. Dass ich frei bin, zeige ich, dass ich überlegen kann, wie helfe ich am besten. Mein Mailschreiber würde stattdessen wohl sagen: ‚Nein: Meine Freiheit besteht darin, zu helfen, oder es bleiben zu lassen.‘ Für ihn ist Freiheit: Wählen zwischen moralisch handeln oder unmoralisch. Für ihn wäre anscheinend beides gleichrangig: Einem Verletzten helfen oder es bleiben lassen.

Ich finde: Unterlassen, was richtig ist, also unterlassene Hilfeleistung, ist kein Zeichen von Freiheit. Entscheiden wie weit ich helfen kann, die Freiheit habe ich, aber nichts tun, das ist ein Unding, wenn Menschen Hilfe brauchen. Ich finde, bürgerliche Freiheit sieht anders aus und christliche erst recht. Über die wird heute in den evangelischen Kirchen besonders nachgedacht. Am Beispiel von Jesus.

Ein Brief aus dem Neuen Testament meint: Jesus war ein freier Mensch. Wie frei, das sieht man in seinen letzten Wochen. Wie er sich verhalten hat, als es für ihn unbequem geworden ist. Was heißt unbequem, gefährlich, lebensgefährlich. Er hätte die Freiheit gehabt, nicht nach Jerusalem zu gehen. Er wusste ja: Dort würde er Probleme kriegen mit den jüdischen Behörden. Und der römischen Besatzung. Jesus hätte ein leichteres Leben wählen können. Aber diese Option wollte er nicht. Für ihn war Freiheit, menschlich zu sein. Frei zu sein für sich und für andere.

Jesus wollte zeigen, dass er für die Menschen da ist. Weil Gott so ist. Und dass Gott auch den Tod nicht scheut. Sogar im größten Elend bei uns Menschen ist. Diese Freiheit hat Jesus gewählt. In Gottes Namen. Und Gott hat an Ostern bestätigt, dass Jesus den richtigen Weg gewählt hat.

Mir macht Jesus klar: Menschen in Not zu sehen und nichts zu tun, das kann doch keine Freiheit sein. Freiheit ist, wenn ich es schaffe, auch zu tun, was ich moralisch richtig finde.

7 In den Tagen seines irdischen Lebens hat Jesus seine Gebete und sein Flehen vor Gott gebracht. Mit lautem Rufen und unter Tränen brachte er sie vor Gott. Denn der konnte ihn aus dem Tod retten. Und aufgrund seiner Ehrfurcht vor Gott ist er erhört worden.

8 Obwohl er der Sohn war, musste er durch das, was er gelitten hat, den Gehorsam lernen.

9 So wurde er zur Vollendung gebracht.
Seitdem ist er für alle, die ihm gehorsam sind, der Urheber ihrer ewigen Rettung geworden.

Hebräer 5,7-9

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