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SWR1 3vor8

 (Jos.5,9a.10.12)

Das ist immer wieder faszinierend für mich: wie aktuell dieses alte Buch Bibel oft ist. Heute wird in den katholischen Kirchen ein Text aus dem Buch Josua gelesen. Über 3000 Jahre alt ist dieser Text. Es geht darin um die Zeit, in der das Volk Israel sich im gelobten Land Kanaan niedergelassen hat. Josua ist der Mann, der es (nach dem Tod von Moses) dorthin geführt hat, nach einem langen, entbehrungsreichen Weg durch die Wüste, raus aus der Gefangenschaft in Ägypten. Ein Weg, auf dem sich die Israeliten nicht immer, aber immer wieder von Gott geführt und begleitet gesehen haben.                                                                                             Das legendäre „Manna“ ist ein schönes Beispiel dafür. Manna, auch Himmelsbrot genannt, weil es in der Wüste, in der es nicht viel und oft gar nichts zu essen gab, über Nacht vom Himmel fiel. Und von den Israeliten als Nahrung gesehen wurde, die ihnen so unverhofft wie direkt von Gott geschenkt wurde. Als Lebenselexier auf ihrem schweren Weg: Kleine, sehr nährstoffreiche, süß schmeckende Kügelchen. Es gibt Erklärungen dafür, was dieses Manna gewesen sein könnte: Essbare Ausscheidungen von Insekten, die auf Tamarisken, diesen anspruchslose Mittelmeerbäumen leben. Und die mit dem Morgentau vom Himmel fielen. Eine schöne und überzeugende Erklärung, die man aber nicht unbedingt braucht. Denn wenn ich glaube, dass Gott mir hilft, dann ist es doch egal ob er das direkt oder durch Insekten macht. Wie auch immer – dieses Manna fällt nach dem Buch Josua genau in dem Moment nicht mehr vom Himmel, in dem das Volk Israel sich selbst versorgen kann, durch die Ernten im Land Kanaan. 

Was ist nun daran das Aktuelle für mich? Aktuell, zeitlos aktuell sind für mich in diesem Bibeltext die Themen Flucht, Wanderung, Heimat und die Hilfe, die die Menschen dabei erfahren. Und was wir hier in Deutschland seit Jahrzehnten nur aus Erzählungen oder dem Fernsehen gekannt haben, ist nun mitten unter uns: Menschen, die auf der Flucht sind und eine neue Heimat suchen. Diesen Menschen zu helfen, sie aufzunehmen und sie zu begleiten bis sie ihr Leben wieder ganz selbst in die Hand nehmen können, ist Manna für sie: Himmelsbrot, von Gott geschenkt, durch Menschenhand…

 

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