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SWR1 3vor8

Viele Kinder haben ein Nachtlicht. Ich selbst hatte als Kind auch schon eins. Das Nachtlicht kommt im Kinderzimmer einfach in die Steckdose. Und schon ist es im Zimmer ein klein wenig Licht. Das Wenige an Licht hilft aber unglaublich viel. Denn ohne das Licht wimmelt es im Kinderzimmer nur so vor Gespenstern und anderen Wesen. Kinder sehen dann Dinge, die ihnen Angst machen. Wenn aber etwas Licht im Raum ist, verschwinden sie. Mit dem Nachtlicht wird klar, was da wirklich ist: der Bademantel, der am Haken hängt. Oder die Stehlampe. Davor braucht man keine Angst zu haben.

Ich glaube, die ersten Christen kannten das. Und Paulus auch. Nicht bei Nacht im Kinderzimmer. Sondern am Tag, mitten im Leben. Auch da gibt es Dinge, die einem Angst machen können. Paulus schreibt deshalb an die Christen in Ephesus: „Lasst euch von niemandem verführen mit leeren Worten. Lebt als Kinder des Lichts“ (Eph 5,6a.8c). Über diese und weitere Sätze wird heute in den evangelischen Gottesdiensten gepredigt.

Ehrlich gesagt: Mir geht das heute ab und an noch so. Unbestimmte Ängste machen mir zu schaffen. Klar, Schatten im Schlafzimmer rauben mir nicht mehr den Schlaf. Aber dafür macht mich manchmal unruhig, was so geredet wird. Und dann glaube ich manchmal Dinge, die so nicht stimmen. Ich höre auf „leere Worte“.

„Es kommen so viele Flüchtlinge nach Deutschland. Das können wir nicht schaffen.“ Sätze wie diese sind für mich manchmal wie früher die Schatten. Ich weiß, dass sie so nicht stimmen. Trotzdem lasse ich sie manchmal zu nah an mich ran. Natürlich ist es nicht einfach, so viele Menschen zu integrieren. Aber schon vor dem Versuch das Licht ausknipsen, das hilft ja auch niemandem. Ich will das nicht machen. Wahrscheinlich, weil ich von Jesus weiß. Der hat sich selbst nämlich mal „Licht der Welt“ genannt. Und bei Licht betrachtet sieht manches einfach anders aus.

Jesus hat zum Beispiel gesagt: „Kümmert euch um die Armen und Schwachen.“ Da ist keine Resignation drin, kein „wir können das nicht schaffen“. Jesus ist zuversichtlich, dass es gelingt, wenn viele von uns sich um Arme und Schwache kümmern. Das macht mir Mut. Und: In Deutschland wohnen über 80 Millionen Menschen. 2015 wurden in Deutschland eine gute Million Asylsuchende registriert. Ich glaube, wir schaffen das. Denn bei Licht betrachtet sieht manches anders aus.

Deswegen habe ich mir vorgenommen: Ich möchte auf Jesus achten, das Licht der Welt. Nicht auf die Schatten und leeren Worte. Denn ich bin ein Kind des Lichts.

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