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SWR1 3vor8

„Lasst uns hier drei Hütten bauen.“ Der Satz steht für den Wunsch, einen schönen Augenblick festhalten zu wollen. Er stammt aus der Bibel und wird in den katholischen Gottesdiensten am heutigen Sonntag vorgelesen. Der Apostel Petrus spricht ihn. Die Geschichte dazu: Jesus geht mit Petrus, Johannes und Jakobus auf einen Berg zum Beten. Und beim Beten – so heißt es in der Bibel – verändert sich das Aussehen Jesu, sein Gesicht und sein Gewand werden leuchtend weiß. Und in dem strahlenden Licht treten auf einmal Mose und Elia auf und reden mit Jesus. Die Jünger, die eingeschlafen waren, werden wach und Petrus spricht zu Jesus: „Meister es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elia.“ Typisch Petrus, er hat noch gar nicht rich­tig kapiert, um was es hier geht, will aber schon mal Hütten bauen.  Will den Augenblick festhalten, damit die Situation bleibt und nicht nur eine flüchtige, vorübergehende Erscheinung ist. Aber das klappt nicht, denn während Petrus noch redet, kommt schon eine Wolke, wirft ihren Schatten auf das Geschehen und aus der Wolke ruft eine Stimme: „Dies ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.“ Die Erscheinung von Mose und Elia wird durch eine Gotteserscheinung übertroffen. Und so schnell wie das alles gekommen ist, so schnell ist alles auch wieder zu ende. „Als aber die Stimme erklang, war Jesus wieder allein“, heißt es lapidar im Text. Es gibt sie, die leuchtenden Momente im meinem Leben: Einen besonders schönen Sonnenuntergang, den ersten Kuss in einer frischen Liebe oder zum ersten Mal das eigene Kind im Arm halten. Aber diese Momente sind flüchtig, dauern oft nur kurz und damit muss ich mich abfinden. Wie Petrus sich damit abfinden musste, dass das Glänzen und Leuchten, die Erscheinung von Mose, Elia und der Stimme aus der Wolke nur von kurzer Dauer waren. Ich kann die Augenblicke zwar auf einem Foto festhalten, aber die Situation selbst geht vorüber. Hütten zu bauen, die Dinge in Zement gießen zu wollen, hat keinen Sinn. Das höchste, was ich erreichen kann ist, dass die Erinnerungen an diese Augenblicke mir mein Herz wärmen.

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