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SWR1 3vor8

„Großes Herz! Sieben Wochen ohne Enge“ schlägt die Aktion „7 Wochen ohne“ in diesem Jahr vor. Sie kennen das vielleicht schon, diese Anregung in den 7 Wochen vor Ostern ein bisschen aufzuräumen und Platz zu schaffen im eigenen Leben. Damit man an Ostern, wenn der Frühling und die schönere Jahreshälfte so richtig losgeht, aufgeräumt neu anfangen kann.

Manche verzichten auf Alkohol oder auf Süßigkeiten. Aber man kann natürlich auch in der Seele aufräumen. Im Herzen Platz schaffen gewissermaßen. Damit da wieder mehr Raum ist für andere. Oder sogar für Neues. Deshalb also in diesem Jahr „Großes Herz! 7 Wochen ohne Enge“

Was macht denn ein Herz eng? Der Neid zum Beispiel, glaube ich. Der Neid, der anderen nicht gönnt, was man selber nicht hat. Der macht das Herz eng. Oder die Sorge, was alles passieren könnte. Ich kenne Leute, die trauen sich kaum noch vor die Tür, aus Angst, was da alles passieren könnte. Sie merken gar nicht, wie eng ihr Leben dadurch geworden ist. Und von mir weiß ich, dass ich in meinem Kopf und in meinem Herzen so eine Art Raster habe: Dies ist richtig und jenes ist falsch. Da ist kaum noch Platz für Erfahrungen, die nicht ins Raster passen.

Was kann einem helfen, im Herzen Platz zu schaffen? Gott, behauptet der Bibelabschnitt, über den heute in den evangelischen Gottesdiensten gepredigt wird. Auf Gott zu vertrauen, das macht das Herz weit. Da können sich die Sorgen nicht einnisten, und die engen Raster braucht man nicht mehr.

Der Hebräerbrief erinnert an Jesus Christus. Der hatte auch mit dieser Versuchung zu kämpfen (Hebr. 4, 15f). Der kannte auch diese Enge, die lieber auf sich selbst vertraut und die eigene Kraft anstatt auf Gott zu hoffen. Jesus kam zum Beispiel der Gedanke, aus Steinen Brot zu machen. Hätte er womöglich ja gekonnt. Dann hätte er sich nicht retten können vor Anhängern. Aber Jesus hat es nicht getan. Er wollte die Leute nicht bestechen. Er wollte sie überzeugen. Oder später, als er verhaftet werden sollte und Angst hatte vor der Hinrichtung. Er hätte sich dem entziehen können. Hat er aber nicht. Er wollte zeigen, dass es lohnt, auf Gott zu vertrauen.

Jesus kannte die Ängste und Sorgen, die einem das Herz eng machen. Ich glaube: Deshalb kennt Gott das auch. Und leidet mit mir, wenn ich mit meiner Enge kämpfe.

Und das soll mir helfen? Vielleicht schon. Ich kann es zugeben, wie eng es manchmal in mir ist. Wie wenig Platz für andere und für Neues. Ich kann das zugeben vor mir selber und vor Gott. Und versuchen, Platz zu schaffen. Meine Ängste beiseite räumen. Vertrauen wagen. Vielleicht kann ich dann die Enge hinter mir lassen. Und kriege ein weites Herz.

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