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SWR1 3vor8

  - ein Gottesdienst vor 2500 Jahren (Neh, 8,2-4a.5-6.8-10)

Ja, so könnte es sein, so sollte es sein. Das hab ich mir gedacht, als ich den Text gelesen habe, der heute in den katholischen Kirchen zu hören ist. Ein Text aus dem Alten Testament der Bibel, dem Buch Nehemia.
Das Buch Nehemia ist eine Art Chronik des jüdischen Volkes in der Zeit vor rund zweieinhalbtausend Jahren. In dem Text der heute zu hören ist, wird beschrieben wie diese Menschen damals Gottesdienst gefeiert haben. Und wie sie die Schrift ausgelegt haben, ihre heilige Schrift, die Tora. Es lohnt sich nachzulesen wie das damals war. Wie der Priester die Heilige Schrift vor die Versammlung der Gläubigen gebracht hat. Wie er auf einem Platz im Freien, nahe einem Brunnen, vom frühen Morgen bis zum Mittag aus dem heiligen Buch gelesen hat. Auf einer Kanzel aus Holz stehend, eigens dafür gebaut, damit die Menschen ihn, vor allem aber das heilige Buch sehen konnten. Wie sich alle erhoben als er es aufschlug, sich niederwarfen beim Lobpreis Gottes, mit dem Gesicht zur Erde. Und wie danach die Schrift ausgelegt wurde, damit sie das, was ihnen vorgetragen wurde auch verstehen konnten, mit dem Herzen verstehen konnten. Jetzt könnte man sagen, na ja, so viel anders läuft das heute in den Kirchen doch auch nicht ab. Zwar wirft sich niemand mehr zu Boden, aber da gibt es doch auch Priester, Gläubige, Schriftlesung und Predigt. Ja schon. Aber was für mich einen großen Unterschied zu heute ausmacht ist wie intensiv die Menschen damals ihren Glauben gelebt haben. Welch heiliges Fest ihr Gottesdienst war. Wieviel Ehrfurcht und Freude sie empfunden haben und wie sehr sie auch auf den Menschen neben sich geschaut haben. Um das spürbar zu machen, möchte ich den Schluss des Textes aus dem Buch Nehemia selbst sprechen lassen. Da heißt es: „Der Priester und die Schriftgelehrten sagten zum Volk: ‚Heute ist ein heiliger Tag zu Ehren des Herrn Eures Gottes. Seid nicht traurig und weint nicht!‘ Alle Leute weinten nämlich als sie die Worte des Gesetzes hörten. Dann sagte der Priester zu ihnen: ‚Nun geht, haltet ein festliches Mahl und trinkt süßen Wein! Schickt auch denen etwas, die selbst nichts haben. Denn heute ist ein heiliger Tag, zu Ehren des Herrn. Macht euch keine Sorgen, denn die Freude am Herrn ist eure Stärke.“

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