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SWR1 3vor8

Na, das hat ja gut angefangen, dieses neue Jahr 2016. Ich verstehe jeden, der das sagt, und sich die Haare rauft. Ich könnte auch aufzählen: Die schreckliche Silvesternacht in Köln, Millionen von Flüchtlingen weltweit, eine Großstadt in Syrien, in der Menschen verhungern, das Attentat in Istanbul am vergangenen Dienstag. Und meine Freundin weint und steht vor dem Aus ihrer Ehe. Die Welt wird immer schlimmer und verrückter, sagen viele.
Eigentlich stimmt das wohl nicht: Der Wohlstand ist im letzten Jahr auch wieder weltweit gestiegen und gerade in unserem Land können sich die meisten nicht beklagen.
Trotzdem fürchten manche, das Böse wird uns überrollen wie eine Welle.
Was kann man da tun, damit man nicht untergeht?
Der Apostel Paulus hat per Brief den ersten Christen in der damaligen Welthauptstadt Rom einen Rat gegeben. An diesen Briefabschnitt (Rö 12, 9-16) wird heute, am Anfang des neuen Jahres, in den evangelischen Gottesdiensten erinnert.
Paulus hat seine Briefe geschrieben wie viele es früher gemacht haben. Zuerst hat er von dem geschrieben, was sich ereignet hat und was ihm durch den Kopf gegangen ist. Und am Ende kommen die Ratschläge. Paulus denkt an die Leute in Rom. Umgeben von Menschen, die ihnen Böses wollten. Wenn einer als Christ erkannt wurde, musste er Angst haben, den wilden Tieren vorgeworfen zu werden. Eine kleine christliche Gemeinde bedroht von Verfolgung und Untergang wie von einer riesigen Welle.
Und Paulus rät den Christen dort: „Haltet fest am Guten!“ (Rö 12, 9) Mitten im Meer von Gewalt und Unrecht: „Haltet fest am Guten!“ Klammert euch daran, wie ein Schiffbrüchiger an ein Treibholz. Wenn er loslässt, wird er untergehen. Dann wird das Böse ihn mitreißen in die Tiefe.
Ich versuche, mir vorzustellen, was das heißen könnte. Für meine Freundin, die mit ihrem Mann nicht mehr zurecht kommt und Angst hat um ihre Ehe. Für den Umgang mit den Flüchtlingen in unserem Land, manche von ihnen muss man gefährlich finden nach dem, was in Köln passiert ist. Trotzdem: Klammert euch an das Gute! Glaubt also nicht denen, die sagen: Es hat keinen Sinn, sich Mühe zu geben. Glaubt nicht denen, die sagen: Schluss jetzt mit dem Gutmenschentum. Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Bleibt geduldig. Natürlich braucht man Regeln und die müssen beachtet werden. Natürlich kann meine Freundin sich nicht total aufgeben in ihrer Ehe. Aber vielleicht kann sie mit ihrem Mann zusammen einen Weg finden. Einen, auf dem sie sich nicht weiter weh tun.
Klammer euch an das Gute, sagt Paulus. Damit ihr nicht untergeht im Meer des Bösen und der Angst. Mir leuchtet das ein.

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