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SWR1 3vor8

 – Lukas 3,15-16.21-22  Taufe des Herrn (C)

„Zusammen mit dem ganzen Volk ließ auch Jesus sich taufen.“ Und zwar von Johannes dem Täufer am Jordan. Das ist heute in den katholischen Gottesdiensten zu hören und klingt ziemlich selbstverständlich, als ob das so sein muss. 

Doch: Warum lässt sich Jesus taufen? Hatte er diese Taufe nötig? Er, der Sohn Gottes! 

Wie ich die Bibel verstehe, hat sich Jesus nicht als Sohn Gottes verstanden und sich auch nicht als König oder Messias ansprechen lassen. Aber wann ist er sich seines Auftrags, seiner Berufung bewusst geworden? Was für ein Bild von Gott hat Jesus gehabt? Gibt es bei ihm eine innere Entwicklung, wie er Gott gesehen hat? 

Nach seiner Taufe geht Jesus zunächst in die Wüste. Doch gerade bei seiner Taufe und während seiner Zeit in der Wüste scheint es die entscheidende Wende in seinem Leben gegeben zu haben. Jesus ist damals etwa 30 Jahre alt. 

Man kann davon ausgehen: Jesus hat ein eher widersprüchliches Bild von Gott, als er sich taufen lässt. Der Gott, der liebt und dann wieder zürnt, der gnädig ist und dann wieder straft – ein solcher Gott entspricht seit jeher menschlichen Vorstellungen und religiösen Traditionen. Ein solches Bild von Gott ist auch Jesus vertraut. 

Bei seiner Taufe muss Jesus zu einem überraschend neuen Gottesbild gekommen sein. Jesus hat Gott neu erfahren als den bedingungslos liebenden Vater. Er spricht fortan auch ganz anders von ihm – wie wir den Evangelien entnehmen können. Jesus hat den Gott, der rächt, der richtet und straft, ersatzlos gestrichen. Ihm ist klar geworden: Der neue Umgangsstil zwischen Gott und uns Menschen heißt: Vertrauen und Liebe. – Für mich ist das eine beglückende, eine befreiende Sicht. 

Jesus kommt mit einer neuen Botschaft an die Menschen zurück. Und das ist bis heute eine frohe Botschaft, die Ängste wegnimmt, die aufrichtet und befreit.

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