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SWR1 3vor8

„Ich werde Euch nicht den Gefallen tun, Euch zu hassen.“
Könnte ich das auch sagen wie Antoine Leiris? Seine Frau ist bei den Attentaten in Paris ermordet worden.

Ich weiß nicht, ob ich auch so empfinden könnte, wenn ich so Schlimmes erlebt hätte. Aber ich glaube, es ist gut, wenn man sich davor hüten kann, auf Hass zu antworten mit Hass. „Ich werde Euch nicht den Gefallen tun, euch zu hassen.“

Das ist gut und lebenswichtig, weil man dann selbst nicht so dunkel wird. Das wollten die Mörder von Paris: Die Menschen in Dunkelheit stürzen.

Nein, nicht zum Finsterling werden. Es ist gut, das zu üben auch im normalen Leben. Wenn andere einen verdunkeln oder ein schlimmes Erlebnis.

Die Gedanken aus der Bibel, die in den evangelischen Gottesdiensten heute, am 1. Advent, im Mittelpunkt stehen, gehen in eine ähnliche Richtung. Paulus schreibt da:

Alle Gebote sind in dem einen Satz zusammengefasst: »Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst!« Wer liebt, tut seinem Mitmenschen nichts Böses an.

Und dann schreibt er weiter – emotional, mit starken Bildern:
Darum: Lasst uns alles ablegen, was die Dunkelheit mit sich bringt. Lasst uns die Waffen anlegen, die das Licht verleiht.“ Soweit Paulus.

Was mich innerlich und äußerlich verdunkeln will, dem soll ich Liebe entgegen setzen. Liebe ist was Helles. Kann mich auch selbst hell machen. Wenn die Kraft zu lieben in mir wach wird, dann kann mich auch eine böse Erfahrung nicht völlig beherrschen.

Aber ist ‚lieben‘ nicht übertrieben? Wenn man etwas erlebt wie Antoine Leiris, dann vielleicht. Wie könnte ich die lieben, die mir so Schlimmes antun? Andererseits: Vielleicht ist es ja schon ein Zeichen von Liebe, wenn ich mich nicht von Hass anstecken lasse? Weil: Wenn in der Bibel von Liebe die Rede ist, ist nicht das Gefühl gemeint, sondern mehr was tue ich. Wie reagiere ich? Lieben meint:
Nicht mit denselben Waffen antworten wie der, der hasst. Kühl bleiben. Vernünftig und besonnen überlegen, was die Spirale des Bösen bremsen und stoppen kann. Und darum fragen: Was kann entwaffnend wirken?

Lieben in diesem Sinn hilft dem gesunden Menschenverstand. Sie öffnet ihm die Augen. Liebe lässt mich erkennen: Aus einer dunklen Situation kommt man nur heraus, wenn man Licht macht.

Ich glaube, darum ist es geboten, dass wir Muslime nicht verdächtigen. Menschen, die Schutz suchen, unterstützen. Jugendliche aufmerksam begleiten, dass sie sich nicht verführen lassen müssen zum Hass. Hassen macht nichts gut, praktisch lieben hoffentlich schon.

 

Bleibt niemandem etwas schuldig – außer der Liebe,
denn die seid ihr einander immer schuldig!
Denn wer seinen Mitmenschen liebt, hat das Gesetz schon erfüllt.
Dort steht:
»Du sollst die Ehe nicht brechen!
Du sollst nicht töten! Du sollst nicht stehlen!
Du sollst nicht begehren!«
Diese und all die anderen Gebote sind in dem einen Satz zusammengefasst: »Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst!«

Wer liebt, tut seinem Mitmenschen nichts Böses an.

Darum wird durch die Liebe das ganze Gesetz erfüllt.
Ihr wisst doch, dass jetzt die Stunde schlägt!
Es ist höchste Zeit für euch, aus dem Schlaf aufzuwachen.
Denn unsere Rettung ist nahe – näher als damals, als wir zum Glauben kamen.
Die Nacht geht zu Ende, der Tag bricht schon an.
Lasst uns alles ablegen, was die Dunkelheit mit sich bringt.
Lasst uns stattdessen die Waffen anlegen, die das Licht uns verleiht.
Römer 13,8-12

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