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SWR1 3vor8

Ehe und Ehescheidung. Das ist ein besonderes Kapitel. Viele junge Leute heiraten gar nicht, weil ihnen das zu „bürgerlich“ ist. Und ein Drittel der Ehen werden wieder geschieden. In Rom beraten gerade die Bischöfe auf ihrer Synode, wie die katholische Kirche damit umgehen will.
Und ausgerechnet für diesen Sonntag heute steht das Thema in den evangelischen Gottesdiensten auf dem Predigtplan. Ein Gespräch Jesu mit anderen Gelehrten zu Ehe und Ehescheidung. Am Ende sagt Jesus ganz klar und eindeutig: „Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden.“ Jesus hat das gesagt. Nicht der Papst.
Da sagen heute viele: Ich glaube nicht, dass Gott in das Leben von Menschen eingreift und Menschen miteinander verbindet. Dann haben sie das Problem mit der Scheidung in anderer Weise. Scheiden tut weh – trotzdem. Und die an Gott glauben, von denen sagen viele: Ja, aber hat Gott denn diese Ehe zusammengefügt? Sie wäre ja nicht gescheitert, wenn sie von Gott gestiftet wäre? Und wieder andere sagen: Die Lebensumstände sind heute so anders als damals – das kann man überhaupt nicht vergleichen…
Mit solchen Argumenten kann man sich das klare Nein Jesu zur Ehescheidung schön reden. Ich fürchte aber: Jesus hat das genauso gemeint, wie er es gesagt hat: „Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden.“ Er hat gewusst wie weh eine Scheidung tut. Und vor allem: Ist nicht eine Ehe das beste Übungsfeld für die Nächstenliebe? Ein Ort, wo man lernen kann, zu lieben und für andere da zu sein? Hartherzig hat er die genannt, die sich scheiden lassen, weil ihnen der andere auf die Nerven geht, weil es eine Schönere gibt oder eine Jüngere, weil dem anderen alles andere wichtiger scheint als seine Familie, weil sie kein Verständnis hat für das, was ihm wichtig ist.
Hartherzig sei das, sagt Jesus, wenn man das nicht besser hinkriegt. Und ich muss sagen: Wahrscheinlich hat er recht. Bloß: So sind wir Menschen. Leider.
Wir schaffen so vieles nicht. Ich jedenfalls schaffe vieles nicht, was ich eigentlich schaffen sollte – und möchte. Ich soll meinen Nächsten lieben wie mich selbst. Ich soll alle meine Habe den Armen geben – hat Jesus gesagt. Aber irgendwann komme ich an meine Grenzen. Ich gebe so viel ich kann. Aber: alles??
Ich gebe zu: meine Liebe ist endlich. Unendlich ist Gottes Liebe. Von der heißt es in der Bibel „sie hört niemals auf“. Auch dann nicht, wenn ich nicht schaffe, was eigentlich gut wäre. Auch dann nicht, wenn ich Fehler mache. Gottes Liebe bleibt. Er liebt auch die, die sich haben scheiden lassen. Und schenkt ihnen einen neuen Anfang. Darauf vertraue ich.

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