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SWR1 3vor8

„Ich lass mir nicht in mein Leben reinreden.“ Von niemand.
Nicht wenn ers gut meint und erst recht nicht, wenn sie besser weiß, was richtig oder falsch ist.
„Ich lass mir nicht reinreden in mein Leben.“ Ich glaube, was bedeutet für mich und viele andere ‚modernes Leben‘:
‚Ich bestimme selbst.‘
Was mich erstaunt, diese Lebenshaltung hat es auch früher schon gegeben. Jesus erzählt jedenfalls von einem Mann, der in diesem Sinn modern war. Er steht heute an Erntedank in den evangelischen Gottesdiensten im Mittelpunkt.
Dieser Mann hat sein Leben in die Hand genommen. Ist erfolgreich und wohlhabend geworden.
Warum erzählt Jesus dann kritisch von ihm?
Ich erzähle Jesu Geschichte mit meinen Worten:
Der Mann hat wieder ein hervorragendes Wirtschaftsjahr hinter sich. Die Scheunen sind voll bis unters Dach.
Er ist stolz, zu Recht. Jetzt plant er, wie sein Unternehmen weiter wachsen kann. Mehr nicht. Schade eigentlich.
Er könnte spüren, ich habe den Erfolg nicht allein gemacht.
Er könnte spüren, wie viele für ihn auf den Feldern geackert haben.
Er könnte dankbar sein für den Boden, für die Sonne, für den Regen, die für Wachstum gesorgt haben.
Aber dafür dankbar zu sein, hat er kein Gespür.
Und Sie und ich?
Wir könnten spüren, wie sehr Erdöl, seltene Erden, die Meere, der Boden, der Wind, die Sonne
Quellen unseres Reichtums sind. Wir könnten spüren, wie viele Menschen für mich und Sie arbeiten.
Wir könnten es spüren und dankbar sein.
Für den modernen Mann in Jesu Geschichte passt Dankbarkeit nicht zu Selbstbestimmung.
Er lebt amoralisch auf seiner Wohlstandsinsel.
Er denkt im Erfolg bloß an den nächsten Erfolg „Wie kann ich Wachstum steigern?‘
Er beschließt: Ich reiße meine Scheunen ab und bau größere. Dann kann ich so viel Besitz sammeln, dass ich mir keine Sorgen mehr machen muss. Dann werde ich das Leben genießen können.“

Aber mitten in seinem Selbstgespräch von Selbstbestimmung und Erfolg.
Da redet ihm plötzlich doch einer in sein Leben rein. Gott:
„Ach Mann, noch in dieser Nacht wird das Leben, das ich Dir gegeben habe, zu Ende gehen.“

Kann ich daraus was lernen für mein „modernes“ Leben?
Vielleicht das: Das Leben kann erst gut werden, wenn ich mir reinreden lasse:
Wenn ich wahrnehme, was für Folgen mein Leben für andere hat.
Wenn ich wissen will, ob meine Erfolge auch anderen gut tun und dem Frieden dienen.
Wenn ich auf das höre, was Jesus und viele kluge Leute immer wieder gesagt haben:
Glücklich werde ich, wenn ich mich vergessen kann und mich kümmern um andere. Und es macht glücklich, wenn ich dankbar bin.‘

 

Lukas 12, (13)15-21
Das Gleichnis vom reichen Grundbesitzer

13Einer aus der Volksmenge sagte zu Jesus:
»Lehrer, sag doch meinem Bruder, dass er das Erbe mit mir teilen soll.«
14 Aber Jesus antwortete ihm:
»Lieber Mann, wer hat mich zum Richter oder Vermittler in eurem Erbstreit gemacht?«
15 Dann sagte Jesus zu allen:
»Gebt acht! Hütet euch vor jeder Art von Habgier.
Denn auch wenn jemand im Überfluss lebt:
Sein Leben hängt nicht von dem ab, was er besitzt.«
16 Dazu erzählte Jesus ihnen ein Gleichnis:
„Die Felder eines reichen Grundbesitzers brachten eine besonders gute Ernte.
17 Da überlegte er:
‚Was soll ich tun?
Ich habe nicht genug Platz, um meine Ernte zu lagern.‘
18 Schließlich sagte er sich:
‚So will ich es machen: Ich reiße meine Scheunen ab und
baue größere. Dort werde ich dann das ganze Getreide und alle meine Vorräte lagern. 19 Und dann kann ich mir sagen:
Nun hast du riesige Vorräte, die für viele Jahre reichen.
Gönne dir Ruhe! Iss, trink und genieße das Leben!‘
20 Aber Gott sagte zu ihm:
‚Wie dumm du bist! Noch in dieser Nacht werde ich dein Leben von dir zurückfordern. Wem gehört dann das, was du angesammelt hast?‘
21 So geht es dem, der für sich selbst Schätze anhäuft – aber bei Gott nichts besitzt.“

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