Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR1 3vor8

„Der Glaube für sich allein ist tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat. Welch ein Satz! Fast 2000 Jahre alt, zeitlos. Er ist aus dem Jakobusbrief im Neuen Testament der Bibel und heute in den katholischen Kirchen zu hören. Es lohnt sich die ganze Passage anzuhören, in die er eingebettet ist. Der Verfasser des Jakobusbriefes schreibt an christliche Gemeinden im ersten Jahrhundert:

„Brüder und Schwestern, was nützt es, wenn einer sagt, er habe Glaube, aber es fehlen die Werke? Kann etwa der Glaube ihn retten? Wenn ein Bruder oder eine Schwester ohne Kleidung ist und ohne das tägliche Brot und einer von Euch zu ihm sagt, geht in Frieden und wärmt und sättigt Euch,‘ ihr gebt ihnen aber nicht, was sie zum Leben brauchen, was nützt das?! So ist auch der Glaube für sich tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat“.

Das ist es, was ich an diesem großen alten Buch Bibel so schätze: Ich kann es aufschlagen und einen steinalten Text lesen, den ich 1:1 auf heute übertragen kann. Damals wie heute ist ein Glaube tot, wenn er nicht durch Taten lebt. Nur reden und es dann nicht auch tun ist blutleeres Glaubensgequatsche. Das ist hart formuliert, ich weiß, aber das Leben ist auch immer wieder so hart, dass es Nackte zu bekleiden und Hungrige zu sättigen gilt. Auch heute. Dabei denke ich zurzeit nicht nur, aber besonders an all die Flüchtlinge, die bei uns Hilfe suchen. Und dabei denke ich an die Kirchen in unserem Lande. Was tun sie in dieser Situation mit all ihrem materiellen Reichtum und ihren Immobilien? Und dabei denke ich natürlich auch an mich: Was kann ich ganz konkret tun? Um die Nackten von heute zu bekleiden und die Hungrigen von heute zu sättigen?

Ich kann, nein ich muss dabei mithelfen, dass die Menschen, die mit ihrem nackten Leben zu uns geflüchtet sind, bekleidet werden. Bekleidet mit Schutz und Freundlichkeit. Und ich will und werde jedem entgegentreten, der diesen Menschen verwehren will hier bei uns ihren leiblichen und ihren seelischen Hunger zu stillen. Das, vor allem das, ist für mich gelebter, lebendiger Glaube.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=20524