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SWR1 3vor8

„Das geht nicht, das verstößt gegen die Vorschriften.“ Das war so ein Satz unseres Küsters, der mich als Jugendlicher auf die Palme bringen konnte. Wenn wir was im Gottesdienst verändern wollten: Stuhlkreis statt Bänke oder E-Gitarre statt Orgel, immer kam dieser Satz: „Das geht nicht, das verstößt gegen die Vorschriften.“ Um Verstoß gegen die Vorschriften geht es auch in dem Text, der heute in den katholischen Gottesdiensten vorgelesen wird. Er stammt aus dem siebten Kapitel des Markusevangeliums.

Jesus streitet mal wieder mit den Frommen seiner Zeit, den Pharisäern und Schriftgelehrten. Sie werfen Jesus vor, dass sich seine Jünger nicht an die religiösen Speisevorschriften halten. Jesus geht inhaltlich gar nicht auf den Vorwurf ein, sondern stuft die Speisevorschriften einfach als menschliche Satzungen ab. Sie sind für ihn keine göttlichen Gebote. Das war für einen gläubigen Juden damals starker Tobak, denn immerhin stehen diese Vorschriften in der Tora, der Bibel der Juden. Und Jesus setzt noch einen drauf. Er sagt den Pharisäern und Schriftgelehrten: Ihr haltet euch so sehr an diese menschlichen Satzungen, dass ihr damit das Gebot Gottes preis gebt. Ihr ehrt Gott nur mit den Lippen und nicht mit dem Herzen. Er macht damit auf eine große Gefahr aufmerksam, in der zu allen Zeiten, auch heute, gerade die Frommen stehen. Die Gefahr, sich nur an den Buchstaben der Gesetze zu orientieren nicht aber am Inhalt. Aus lauter Angst etwas falsch machen zu können. Glaube bedeutet aber nicht: einhalten von Geboten, sondern vertrauen in einen Gott, der es gut mit mir meint.

Jesus geht es in seiner Botschaft immer wieder darum, den Menschen die Angst zu nehmen. Die Angst davor, sie könnten irgendeines der vielen Gebote übertreten. Deshalb fasst er ja alle Gebote in dem einen Satz zusammen: „Du sollst den Herrn deinen Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst.“(Mk 12,28-31) Solange du das tust, kannst du mit Speisevorschriften, welcher Art auch immer, ganz frei umgehen. Für mich bedeutet das, wenn’s ums Essen geht: Weil ich meinen Nächsten liebe, gibt es kein Schweinefleisch, wenn ich muslimische Gäste habe. Weil ich Gott und seine Schöpfung liebe, bemühe ich mich, fair gehandelte und ökologisch erzeugte Waren zu kaufen und auch nicht allzu viel Fleisch zu essen. Und weil ich mich selbst liebe, gönne ich mir trotzdem hin und wieder ein gutes Steak.

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