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SWR1 3vor8

18. Sonntag im Jahreskreis (B)

„Ich bin das Brot des Lebens“ – das behauptet Jesus von sich selbst. Eine eigenartige Selbstaussage. Davon ist heute in den katholischen Gottesdiensten zu hören. Wie kann, wie soll ich Jesus verstehen? 

Für ihn scheint Brot mehr als ein Lebensmittel zu sein, um satt zu werden. Er versteht Brot als Zeichen für einen tieferen Hunger des Menschen nach Leben. Und ich glaube, es gibt keinen Menschen, der ohne Hunger nach einem anderen, erfüllten Leben existieren könnte. Und viele haben Sehnsucht nach Gott. 

So hat Jesus Brot in die Mitte seiner Botschaft gestellt und sich selbst als das „Brot des Lebens“ bezeichnet. Noch etwas anderes macht das deutlich. Vor seinem Tod am Kreuz hat Jesus mit seinen Freundinnen und Freunden ein Abschiedsmahl gefeiert. Bei diesem Mahl dankt Jesus seinem Vater, bricht das Brot auseinander und verteilt es: „Nehmt, das ist mein Leib.“ (Markus 14,22) Das bedeutet in ihrer Sprache – auf aramäisch: „Das bin ich für euch.“ Jesus schenkt sich selbst im Zeichen des Brotes. Er verschenkt sich an die Menschen. Er nährt sie! 

Das Brot brechen – das heißt: Ich behalte es nicht für mich, ich teile es mit anderen. Für mich heißt das weiter: Dass ich ein Gespür entwickle für Menschen, die in Not sind und meine Hilfe brauchen. Das ich darauf achte, dass Menschen in meiner Umgebung nicht innerlich verhungern.

Dass ich Brot werde für andere – dass wir Brot werden füreinander. Wenn Menschen wirklich Liebe spüren, dann blühen sie auf, dann wird ihr Herz weit und das Leben wird hell. 

„Ich bin das Brot des Lebens“ – Jesus fügt noch etwas hinzu: „Wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.“ - Ich verstehe das als eine Vision der Fülle für alle in Gottes neuer Welt. Die Vision von einer im letzten heilen und geheilten Schöpfung – etwas, wonach sich die Menschen seit jeher zutiefst sehnen. 

Um das verständlich zu machen spricht Jesus gerne im Bild eines festlichen Mahles. Ein Hoffnungsschimmer für die unzähligen Armen – damals wie heute – eingeladen zu sein zu einem üppigen Festmahl, von dem sie immer nur träumen konnten. Einmal keine Sonntagsreden mit leeren Versprechungen, sondern einfach: Feiern – in Fülle feiern!

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