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SWR1 3vor8

Wenn eine Geschichte zu Ende ist, dann macht man einen Punkt. Und nach dem Schlusspunkt kommt nichts Neues mehr. So lernt man das in der Schule.
Als die Geschichte Jesu zu Ende war, als er am Kreuz gestorben ist, da haben seine Jünger auch gedacht: das ist jetzt der Schlusspunkt. Aber sein Tod war kein Schlusspunkt. Er war ein Doppelpunkt. Nach einem Doppelpunkt geht die Geschichte erst richtig los!
Jedenfalls erzählt der Evangelist Matthäus das so  in der Bibel.
Um seinen Jüngern diesen Unterschied verständlich zu machen, hat Jesus sie zum Abschied noch einmal auf einen Berg bestellt. Und da sagt er zu ihnen: „Ich bin immer bei euch. Jeden Tag, bis zum Ende der Welt!“ Er hat damit gemeint: „habt Keine Angst, wenn wir jetzt nicht mehr miteinander leben werden. Ihr seid  nicht allein. Ich werde bei euch sein. Jeden Tag.
In den Evangelischen Gottesdiensten wird heute an dieses letzte Treffen Jesu mit seinen Jüngern erinnert.
Ein Doppelpunkt also: Es geht weiter. Mehr noch: jetzt geht die Geschichte erst richtig los.
Was für ein Versprechen, denke ich. Und wie beruhigend: Ich gehe nicht allein. Jesus Christus geht mit mir durch meine Geschichte. Bloß: Wie kann ich das spüren? In all den Situationen, in denen ich mich wirklich allein fühle und dem nicht gewachsen, was ich bewältigen soll.
Jesus hat seinen Jüngern damals einen Rat gegeben. Er hat gesagt: Lebt als meine Jünger. Und macht auch andere Menschen zu meinen Jüngern. Wir Christen sind heute genauso wie damals Jüngerinnen und Jünger von Jesus. Und Jünger, das heißt genau genommen: Schüler. Also Leute, die von Jesus gelernt haben.
Das ist die Antwort auf meine Fragen und Zweifel. wenn wir heute, von Jesus lernen und in seinem Geist reden und handeln – dann können wir es spüren. Wir sind nicht allein. Er ist dabei. Wir brauchen uns nicht zu fürchten.
Wenn ich zB. sage: Es tut mir leid, was ich getan habe. Oder: Lass es gut sein. Wir versuchen, nochmal neu anzufangen. Dann können wir es spüren: Gott ist ganz nah. Jesus ist ganz nah.
Wenn Menschen sich für die Flüchtlinge einsetzen, die Leben suchen. Wenn sie miteinander Möglichkeiten schaffen und Leben finden. Dann ist Gott zu spüren. Dann ist der Geist von Jesus dabei. Und wenn ich Angst habe vor dem was kommt und ein anderer nimmt mich bei der Hand. Dann wird die Angst weniger. Dann kann ich den Geist von Jesus spüren.
Jünger werden also: Lebenslang von Jesus lernen. Keinen Punkt machen, wenn etwas unlösbar scheint sondern einen Doppelpunkt: So bleibt das Leben spannend. Und Gott ist dabei.

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