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SWR1 3vor8

 (zu Mk 6, 1b- 6 „Der Prophet in der Heimat“)

„Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat, bei seinen Verwandten und in seiner Familie.“ Dieser Satz Jesu ist heute in den katholischen Kirchen zu hören. Ein Satz, der zum geflügelten Wort geworden ist. In seiner Heimat gilt der Prophet nichts, sein Wort hat nicht das Gewicht wie dort wo man ihn nicht kennt. So ist es auch Jesus in seiner Heimatstadt Nazareth ergangen. Die Leute lehnen ihn ab, er kann dort keine Wunder wirken. Was ist da passiert?  Warum können die, die ihn eigentlich am besten kennen müssten, das nicht sehen was er kann und was ihn ausmacht? Warum können Sie seine Größe nicht sehen, seine Andersartigkeit nicht aushalten? Warum können sie nicht akzeptieren, dass er fähig ist Grenzen zu überschreiten!  Vielleicht meinen sie, dass einer von ihnen auch so sein müsste wie sie, mit all ihren Grenzen. Vielleicht sind sie neidisch, wenn sie merken wie sehr er sich von ihnen abhebt. Oder erschrocken und blockiert, wenn da jemand so weise, so tief menschlich und gleichzeitig irgendwie überirdisch ist. Vielleicht sind sie einfach zu nah dran um erkennen können wer er wirklich ist. Wie bei einem Bild das man direkt vor der Nase hat. Oder glauben sie, dass das ganz Andere, das Göttliche, der Messias nur in einem ganz Anderen, Fremden kommen müsste und nicht in einem der ihren?

Mit diesen Gedanken im Kopf habe ich mir die die Stelle mit dem machtlosen Jesus im Markusevangelium ein paar Mal durchgelesen. Dabei sind mir zwei Dinge aufgefallen.

Das eine: Ganz am Ende der Geschichte wundert sich Jesus. Jesus, der den Menschen doch sonst ins Herz sehen kann, wundert sich. Das ist übrigens die einzige Stelle im Evangelium, an der man Jesus sich wundern sieht. Er der Göttliche kann es nicht fassen, dass die Leute, seine Leute nur ihn sehen können und nicht das Göttliche, das in ihm ist. Er staunt über die Grenze, die er erfährt, wenn sich Menschen – aus welchen Gründen auch immer – verschließen. Das zweite das mir aufgefallen ist und was ich aus diesem Text in meinen Alltag mitnehme: lege einen Menschen nie fest. Auch und gerade wenn Du ihn gut zu kennen meinst…

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