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SWR1 3vor8

12. Sonntag im Jahreskreis B (2 Kor 5,14-17)

Die Liebe Christi drängt uns! Das ist der Wahlspruch einer Gemeinschaft von Ordensfrauen, mit denen ich seit 1999 eng verbunden bin. Caritas Christi urget nos. So sprechen sie das aus, weil sie in der Mehrzahl Italienerinnen sind. Die Sorelle della Misericordia, Barmherzige Schwestern aus Verona. Für sie ist dieser Satz aus dem Zweiten Korintherbrief des Paulus aber nicht nur ein Bibelwort auf dem Papier. Die Schwestern haben es sich zur Aufgabe gemacht, diesem Satz Leben einzuhauchen. Ihn wahr zu machen. Jede Schwester mit ihrem Leben. Deshalb kümmern sie sich um alte Leute und Kinder. Vor allem um die, die es schwer haben. Weil sie nicht genügend Geld haben. Weil sie aus einer Familie mit Problemen kommen. Oder weil das Leben es aus anderen Gründen nicht gut mit ihnen gemeint hat. Zu denen drängt es sie hin. Denen wollen sie nahe sein, im buchstäblichen Sinn. Für die steht ihre Tür immer offen. Oder sie gehen zu ihnen nach Hause. Für solche Menschen haben sie Altenheime gebaut und Kinderhäuser. In Italien, Deutschland, Angola und in vielen anderen Ländern der Erde. 

Die Liebe Christi drängt uns. Es wird oft gesagt, dass man nicht an Gott glauben muss, um ein guter Mensch zu sein. Das stimmt. Aber für den, der glaubt, ist das seine Motivation, sein Antrieb. Er tut Gutes, er liebt den Nächsten, weil er weiß, dass Gott ihn liebt, weil er sich bei Gott sicher weiß, getragen und gehalten vom ersten bis zum letzten Atemzug. Von mindestens einer der Schwestern weiß ich mit Gewissheit: Das war der Grund, weshalb sie in den Orden eingetreten ist. Als junges Mädchen hat sie diese Erfahrung gemacht: Christus liebt mich. Und seither ist sie damit beschäftigt, diese Liebe an andere weiter zu geben. Da ist ein Drängen in ihr, dem sie nachgeben muss. Es ist ganz natürlich. Sie kann nicht anders. 

Die Liebe Christi drängt uns. In den katholischen Gottesdiensten dieses Sonntags beginnt mit diesen Worten die Zweite Lesung. Paulus will prüfen, ob die junge christliche Gemeinde in Korinth auf dem rechten Weg ist. Und heute natürlich ... die Christen, die sie hören. Darum prüfe jeder, der Christ sein will, ob er so ein Drängen empfindet, und wohin es ihn drängt. Wenn andere das bemerken, werden sie davon nicht unbeeindruckt bleiben. So wie ich von den Schwestern. Da bin ich mir sicher.

 

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