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SWR1 3vor8

5. Sonntag der Osterzeit (B)

„Man kann nicht zweimal in den gleichen Fluss steigen“ – das hat der griechische Philosoph Heraklit um 500 v. Chr. gesagt. Und er hat die Begründung hinzugefügt: „panta rhei – alles fließt“. Mit diesen zwei Sätzen hat Heraklit etwas Wichtiges auf den Punkt gebracht, was uns existenziell betrifft. Egal, was ist, nichts bleibt, wie es war. Alles wandelt sich. Das Leben verändert sich.

Früher ein Kind, dann ein Jugendlicher, Erwachsenenalter - bin ich jetzt über 70 Jahre alt. Und was ich alles werden wollte: Ich hatte vor, Zoologie zu studieren. Dann wollte ich Schiffskoch werden, später Schauspieler. Seit 45 Jahren bin ich nun Priester – zunächst Gemeindepfarrer, dann bis zu meiner Pensionierung Rundfunkpfarrer.

Und auf diesem Weg ist auch nicht alles so geblieben, wie es einmal angefangen hat. Als Student meinte ich, mit anderen zusammen die Welt verändern zu können und die Kirche gleich mit. Die Jahre und die Wirklichkeit haben mich nüchtern gemacht. Ich weiß nicht mehr so viel, wie ich in jungen Jahren zu wissen meinte. Die Fragen sind mehr geworden und die Antworten weniger.

Das heißt für mich aber nicht, nostalgisch-wehmütig zurückzublicken. Ich halte es immer noch für besser, wenn Jugendliche glauben, dass mit ihnen die Welt erst anfängt – als wenn alte Menschen immer wieder klagen, dass mit ihnen die Welt aufhört. – Es bleibt dabei: Nichts bleibt so, wie es einmal war. Dass sich alles wandelt, dass alles vergänglich, vorläufig und begrenzt ist – das ist wohl ein Wesenszug alles Irdischen, alles Menschlichen.

Und dann ist heute in den katholischen Gottesdiensten etwas ganz anderes zu hören. Jesus sagt: „Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch!“ Das scheint das glatte Gegenteil zu sein zu: nichts bleibt, wie es war. Das glatte Gegenteil zu: alles ist dem Wandel unterworfen.

Ich verstehe dieses Wort von Jesus so: Er fordert mich nicht auf, in himmlische Sphären abzuheben. „Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch!“ – das ist für mich eine wunderbare Zusage: Inmitten unserer irdischen Wanderschaft mit all den vielen Veränderungen – will Jesus ein Ruhepol sein. Er möchte eine persönliche Beziehung, eine Freundschaft mit uns eingehen - die „bleibt“, die verlässlich und von Dauer ist. Dieses „Bleiben“ ist sein Wesenszug, in dem unsere ganze Unruhe gut aufgehoben ist.

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