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SWR1 3vor8

Man kann nicht nur geben, man muss auch empfangen. Sich etwas geben lassen können ist lebensnotwendig. Theoretisch weiß ich das.
Aber praktisch bin ich lieber Geber als Empfänger. Wer gibt, ist aktiv. Und ein aktiver Mensch will man sein. Am besten bis zum Ende.
Zum „Helden“ wird man bei uns ja nicht, wenn man sich was geben lässt. Zu „Helden“ werden die, die „alles geben“. Im Sport zB. Die, die sich „zerreißen“ für den Sieg, für das Team. Oder bei der Arbeit. Immer mehr Menschen geben so viel von sich an Zeit, Kraft und Einsatz, dass sie sich dabei verausgaben. Ich weiß, viele machen das nicht freiwillig. Bei der Arbeit wird oft immer mehr verlangt und erwartet.
Wo bleibt das Wissen, dass man nicht nur geben kann, sondern auch empfangen muss? Auf der Strecke bleibt es. Und mit ihm der Mensch.
Dieser Irrglaube steckt auch in mir selber, dass Geben besser sei als nehme. Dabei bleibe ich nur menschlich, wenn ich empfange. Und wenn ich danach lebe, dass ich nur geben kann, weil ich bekommen habe.
In den evangelischen Gottesdiensten steht heute ein Gleichnis im Mittelpunkt. Da macht Jesus überdeutlich, wie sehr ich davon lebe, dass ich nehmen kann. Als Mensch und als Christ.
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben, sagt Jesus da. Wer mit mir verbunden bleibt, so wie ich mit Gott, bringt reiche Frucht. Denn ohne mich könnt ihr nichts erreichen.“
Das heißt doch, Christen sollen sich zuerst mal auf ihre „Nehmerqualitäten“ verlassen. Wie eine Rebe. Die kann kostbaren Saft erst geben, wenn sie reif geworden ist. Durch die Nährstoffe, die ihr der Weinstock hat zufließen lassen. Eine Rebe, die versuchen wollte, aus sich heraus zu geben. Na, dann Prost.
Was sagt mir das? Ich brauche dringend Zeiten und Quellen, aus denen mir Lebenskraft zufließt. Ich muss entgegen nehmen von anderen:
Andere Gedanken, die mein eigenes Denken auffrischen.
Wertschätzung, die mein Selbstvertrauen stärkt. Zeiten, in denen ich wieder zu Kräften komme.
Gutes Essen und Trinken, die mich schmecken lassen, wie gut die Schöpfung zu mir ist. Schlaf, in dem meine Seele und mein Kopf sich erholen können von den Ansprüchen des Aktivseins.
Die Ruhe des Sonntags, in der sich nicht alles ums aktiv sein dreht. Die mich wieder ruhig atmen lässt und zu Atem kommen.
Den Zuspruch Gottes, dass ich sein Geschöpf bin, das geliebt ist. Auch wenn ich nichts leiste. All diese Nährstoffe brauche ich. Sonst werde ich vor lauter geben saft- und kraftlos. In diesem Sinn, gönnen wir uns doch heute einen schönen Sonntag.

Johannes 15,5-8
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.
Wer mit mir verbunden bleibt so wie ich mit ihm, bringt reiche Frucht. Denn ohne mich könnt ihr nichts erreichen.
6 Wer nicht mit mir verbunden bleibt, wird weggeworfen wie eine abgeschnittene Rebe und vertrocknet. …….
7 Wenn ihr mit mir verbunden bleibt und meine Worte im Innersten bewahrt, dann gilt: Was immer ihr wollt, darum bittet – und eure Bitte wird erfüllt werden. 8Die Herrlichkeit meines Vaters wird darin sichtbar, dass ihr viel Frucht bringt und euch als meine Jünger erweist."

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