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SWR1 3vor8

Man kann sich nicht selbst entschuldigen. Das wird zwar oft versucht. Da stellt sich jemand hin, sagt: „Ich entschuldige mich.“ Und meint, damit sei aus der Welt, was er falsch gemacht hat. Aber so wird das nichts mit echter Versöhnung. Ich kann mich nicht selbst ent-schuldigen.
Was ich dem anderen angetan habe, ist nicht aus der Welt, wenn ich drüber weggehe. Womöglich leichtfertig. Auch wenn es mich nicht mehr belastet, dem anderen hängt es noch an. Vielleicht sogar schwerer als zuvor. Weil es ihn noch mehr verletzt, wie schnell ich drüber weg sehe.
Wenn ich will, dass unsere Beziehung wieder schmerzfrei wird, braucht es beide. Schuld betrifft immer zwei. Partner und Partnerin, Kind und Eltern, zwei Parteien, manchmal sogar Völker. Und mit der Heilung beginnt am besten der, der den Schmerz verursacht hat.
Indem ich um Entschuldigung bitte, ohne Ausflüchte und ohne dass ich beschönige, was ich getan habe. So kann eine Beziehung wieder anfangen, sich zu erneuern. Es kann dem anderen hoffentlich helfen, meine Entschuldigung anzunehmen, seinen Schmerz kleiner werden zu lassen und mir nach und nach zu verzeihen.
Jesus meint, so geht Frieden. Im Kleinen wie im Großen. Wenn Friede wächst, wird das Leben neu, besser als vorher.
Das spürt man in der Geschichte, die heute in den evangelischen Kirchen im Mittelpunkt steht. Eine Woche nach Ostern: Also eine weitere Geschichte, die erzählt, wie Menschen erfahren, dass Jesus auferstanden ist:
Jesu Freunde waren durch seinen Tod wie gelähmt. Auf einmal spüren sie ihn.
Er grüßt: „Friede sei mit Euch.“ Dass Gott zu Menschen kommt, spürt man am Frieden, der einzieht. Vielleicht stimmt es auch umgekehrt: Wenn Friede einzieht, kommt Gott.
Jesus wünscht also Frieden und verbindet das mit einem Auftrag: ‚Vergebt Schuld: Setzt Euch ein für Versöhnung, wo Schuld Menschen entzweit und belastet. Täter soll Täter und Opfer nicht Opfer bleiben, sucht gerechten Ausgleich. Bis man sich wieder offen in die Augen schauen kann. Mit sich und dem anderen im Reinen.‘ Und wenn das Opfer nicht vergeben kann, dann das Umfeld, stellvertretend, damit der Täter nicht immer auf seine Tat festgelegt bleibt.
Versöhnung: Ich glaube, es kann sie geben, selbst wenn die Schuld groß ist. Dann, wenn ich um Entschuldigung bitte, ohne mich zu rechtfertigen. Wenn die andere verzeihen kann. Die Schmerzen, die eine Schuld macht, können so vergehen. Entschuldigung und Vergebung sind richtig große Dinge. Danach lebt man behutsamer und erwachsener.

Johannes 20,19-23
19 Es war schon spätabends an diesem ersten Wochentag nach dem Sabbat. Die Jünger waren beieinander und hatten die Türen fest verschlossen. Denn sie hatten Angst vor den jüdischen Behörden. Da kam Jesus zu ihnen.
Er trat in ihre Mitte und sagte: "Friede sei mit euch!"
20 Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Die Jünger waren voll Freude, weil sie den Herrn sahen.
21 Jesus sagte noch einmal:
"Friede sei mit euch!
Wie mich der Vater gesandt hat, so beauftrage ich jetzt euch!"
22 Dann hauchte er sie an und sagte:
"Empfangt den Heiligen Geist!
23Wem ihr seine Schuld vergebt, dem ist sie wirklich vergeben. Wem ihr sie aber nicht vergebt, dem ist sie nicht vergeben."

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