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SWR1 3vor8

Matthäus  4,1-11
1.
Fastensonntag

„Und führe uns nicht in Versuchung“ – das steht im Vaterunser. Ich glaube allerdings nicht, dass Gott uns in Versuchung führt. Er stellt uns keine Fallen. Deshalb verstehe ich auch nicht, warum in den christlichen Gottesdiensten Sonntag für Sonntag wiederholt wird: „Und führe uns nicht in Versuchung“ – obwohl es genau übersetzt heißt: „Und lass uns nicht in Versuchung geraten.“ So könnte die Bitte auch heißen: „Lass uns in der Versuchung nicht fallen! Führe uns in der Versuchung!“ 

Bei dieser Bitte geht es eben nicht um den Zigarettenautomaten an der Ecke. Nicht um die schöne Nachbarin. Und nicht um die Versuchung, eitel zu sein oder faul. Hier wäre erst einmal unsere eigene Einsicht und Willenskraft gefragt. Dieses „Führe uns in der Versuchung“ ist eine Bitte, nicht im Glauben zu scheitern. Nicht das Vertrauen in Gott zu verlieren.
Darum geht es auch bei den Versuchungen, von denen heute in den katholischen Gottesdiensten zu hören ist. Jesus hat sich in der Wüste aufgehalten und gefastet. In der Einsamkeit, vielleicht auch in einer inneren Krise, wollte er sich seiner Sendung, seines eigenen Weges klar werden. In dieser extremen Situation ist er in Versuchung geführt worden. Aber eben nicht von Gott, sondern – in der Bildsprache der Bibel – „vom Teufel“.

Die erste Versuchung: Jesus hat Hunger. Als „Sohn Gottes“ kann er doch jederzeit aus Steinen Brot zaubern. Doch  Jesus widersteht. Er lebt aus der Kraft des Wortes Gottes und hat keinen magischen Schabernack nötig. – Die nächste Versuchung: Dass er sich als der „Sohn Gottes“ von Engeln getragen vom Tempel in Jerusalem fallen lässt, ohne dabei zu Tode zu stürzen. Solch ein spektakuläres Event widert Jesus an. Er lehnt die Anmaßung ab, die hinter dieser Versuchung steckt. Er will „Gott nicht auf die Probe stellen“. – Die dritte Versuchung: Jesus soll nicht nur vom Reich Gottes predigen. Der Teufel bietet ihm die Weltherrschaft an, wenn er ihn anbetet. Jetzt ist für Jesus das Maß voll: „Weg mit dir, Satan!“ 

Ich verstehe diese Versuchungsgeschichte so: Jesus bleibt standhaft. Er lehnt kalte Macht ebenso ab wie Luxus und Pomp. Und es ist ein Appell an die Seinen, sich nicht blenden, sich nicht irreführen zu lassen. Was sie aus Ängsten befreit, geschieht nicht durch magischen Schabernack, sondern durch Gottes Wort, das heilt, aufrichtet und tröstet. Darauf sollen sie hören. Gottes Macht ist seine Zuneigung, seine Freundschaft und Liebe. Dieser göttlichen Macht sollen sie sich anvertrauen.
Ich wünsche Ihnen einen guten Sonntag.

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