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SWR1 3vor8

Es gibt Menschen, die fühlen sich überflüssig. Weil sie keine Arbeit und keine Aufgabe haben. Weil sie nichts produzieren können, nichts verdienen und dann auch nichts kaufen und konsumieren können. Die fühlen sich leicht überflüssig in der Gesellschaft der Starken und Produktiven und Wohlhabenden.
Von solchen Menschen handelt die Geschichte, die heute in den evangelischen Gottesdiensten vorgelesen wird. Jesus hat sie erzählt. Ein Weingärtner sucht Arbeiter für seinen Weinberg. Er geht auf den Markt, da stehen die, die Arbeit suchen. Nach ein paar Stunden kommt er wieder. Am Nachmittag noch einmal und kurz vor Feierabend noch einmal. Und immer wieder findet er Menschen, die da stehen und auf Arbeit warten. Den ganzen Tag hat sie niemand gebraucht. Der Weingärtner nimmt sie mit und gibt ihnen Arbeit. Und, erzählt Jesus: Am Abend hat jeder das, was er zum Leben braucht. Arbeit, eine Aufgabe und einen Tageslohn - genug für sich und seine Familie. (Mt 20, 1-11)
Auch die, die nicht von Anfang an gearbeitet haben. Die vielleicht länger arbeitslos waren. Auch die noch jung sind und gerade erst aus der Schule gekommen. Oder die fremd sind und nicht wissen, wie man das richtig macht auf dem Arbeits- Markt.
Der Weinbergbesitzer in der Geschichte von Jesus  gibt allen Arbeit. Und Jesus sagt: So ist es im Reich Gottes. Da gibt es für alle eine Aufgabe. Und nun denke ich mir: Unsere Welt ist gewiss nicht das Reich Gottes und auch nicht das Paradies. Aber machen wir sie denen, die sich überflüssig fühlen, womöglich zur Hölle? Es ist doch gar nicht so verwunderlich, wenn Menschen frustriert sind und sich aufgeben? Oder zu Kämpfern von Terrormilizen werden, weil sie dann endlich das Gefühl haben: hier werde ich gebraucht, hier bin ich wichtig.
Ich lese und höre, dass es einen Mangel an Facharbeitern gibt in unserem Land. Und dass viele Betriebe ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen können. Wie kommen die Arbeitsplätze und die Menschen zusammen, damit sich keiner überflüssig fühlen muss?
Ich weiß, manche haben Sprachprobleme, viele keinen ordentlichen Schulabschluss. Dann ist es schwierig, Ausbildung und Arbeit zu finden. Aber das muss ja nicht so bleiben.
Ich kenne Menschen, die übernehmen ehrenamtlich eine Patenschaft für junge Leute, die Schwierigkeiten haben in der Schule. Die vielleicht zu Hause nicht genügend gefördert und zum Lernen angehalten werden. Es gibt Menschen, die unterstützen andere dabei, Deutsch zu lernen.
In der Geschichte von Jesus tut der Weinbergbesitzer, was er kann, damit alle Arbeit finden. Ich finde, das könnten wir heute auch - und viele haben schon damit angefangen.

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