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SWR1 3vor8

3. Sonntag im Jahreskreis B (Jona 3,1-5.10)

Manchmal wünsche ich mir, dass einer mit seinen Warnungen so viel Erfolg hat, wie damals der Prophet Jona. Von dem wird in der Bibel überliefert, was heute in den katholischen Gottesdiensten zu hören ist: Gott schickt Jona nach Ninive. Ninive ist eine Metropole, die stellvertretend für die ganze bewohnte Welt steht. Im Namen Gottes muss Jona der Stadt Ninive den Untergang androhen. Weil die Bewohner dort arrogant sind und egoistisch. Weil sie nicht auf die Warnungen hören wollen, die Gott ihnen schon wiederholt ausgerichtet hat. Als aber Jona kommt und ihnen sagt, dass es jetzt endgültig aus ist, da gehen sie in Sack und Asche. Plötzlich doch. Ganz wörtlich heißt es in der Bibel: „Und die Leute von Ninive glaubten Gott. Sie riefen ein Fasten aus, und alle, Groß und Klein, zogen Bußgewänder an.“ Ich wäre froh, das heute auch erleben zu können: dass eine von Gott ausgesprochene Warnung, ein prophetisches Wort so eine Wirkung erzielt. Gründe dafür fallen mir mehr als genug ein, wenn ich mir unsere Welt so anschaue. 

Ich denke zum Beispiel an die Erde, den wunderbaren Planeten, auf dem wir leben. Er birgt ungeheure Schätze an Rohstoffen, an Pflanzen und Tieren. Mehr als genug für alle, aber natürlich begrenzt. Auf unserer Welt ist nichts unendlich. Weder die Vorräte an Öl und Gas, noch die Wälder und die Luft zum Atmen. Und obwohl alle das wissen, ist es so, dass ein Teil der Menschheit lebt, als wüsste er das nicht, und alle Warnungen ignoriert. Die fossilen Brennstoffe gehen zur Neige, und Wissenschaftler haben längst ausgerechnet, wann das der Fall sein wird. Erdöl ist viel zu schade, um es zu verbrennen. Zumal das unsere Atmosphäre aufheizt. Klimaforscher warnen deshalb vor den katastrophalen Folgen der Erderwärmung. Vor allem die ärmeren, nicht-industrialisierten Staaten werden es zu spüren bekommen, wenn das Wasser bei ihnen knapp wird. Es ist für mich kein Geheimnis und auch keine Spekulation, was Gott uns rät. Seine Stimme erreicht uns durch die Propheten unserer Tage. Aber mit dem Glauben daran, sieht es schlecht aus. 

An noch etwas erinnert mich Jona. Es ist ihm nicht leicht gefallen, die Warnungen Gottes ernst zu nehmen und weiterzugeben. Trotzdem vertraut Gott auf diesen Mann. Er verlangt von ihm keine absolute Gefolgschaft. Er hat große Geduld mit ihm. Gott ist es ernst und er bleibt trotzdem „entspannt“. Für mich heißt das: Von Fanatikern und Fundamentalisten hält Gott gar nichts. Spott und Lügen hält er aus; auch schlechte Witze über ihn und den Glauben an ihn. Sprechen kann man über alles. Das sollte die Menschheit tun: Viel mehr miteinander sprechen, statt aufeinander zu schießen.

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