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SWR1 3vor8

Ich finde, Menschen brauchen Geschichten. So nötig wie das tägliche Brot. Damit wir wissen, wer wir sind, und vor allem, was sein könnte.
Geschichten wie die aus der Bibel, die heute in den evangelischen Kirchen im Mittelpunkt steht. Eine wunderbare. Sie erzählt, was möglich ist, weil Gott es mit Menschen richtig gut meint.
„Bei einem großen Fest, einer Hochzeit, geht plötzlich der Wein aus,“ erzählt Johannes. Das ist, als ob bei einem Fußballspiel  -zack - das Flutlicht ausgeht. Vorbei das schöne Spiel. Oder wenn einem Paar die Liebe versiegt. Was angefangen hat als großes Glück, ist nur noch ein Trauerspiel.
Aber die Bibel erzählt: Das Fest hört nicht auf damit, dass der Wein ausgeht. Es endet nicht sang- und klanglos. Das Fest des Lebens unter Gottes Himmel geht weiter.
In der Geschichte von der Hochzeit kommt Jesus ins Spiel und sagt dem Personal, das für die Gäste da ist: ‚Füllt 6 große Krüge mit Wasser. Und dann bringt davon dem Festmeister.‘
Da wird auf einmal alles anders, es kommt wieder Leben ins Leben:
Als der Festmeister einen Schluck davon trank, war das Wasser zu Wein geworden. Zu einem sehr guten.“ Es kommt wieder Leben ins Fest, das Leben wird zum Fest.
Aber wie kann man diese Verwandlung verstehen? Ich verstehe sie nicht wie eine Nachricht aus der Tagesschau; so ist es passiert: Jesus war so eine Art Zauberer. Was sollte mir das helfen, wenn mein Leben heute in eine Durstrecke gerät.
Was mir hilft, ist das: Jesus sagt zum Personal bei der Hochzeit; ‚steht jetzt nicht resigniert und tatenlos rum, sondern füllt die Krüge mit Wasser‘.
Also: Tut, was ihr könnt. Und wenn ihr alles getan habt, was in Eurer Macht steht, dann lasst Euch überraschen, wie das Leben weitergeht.
Die Geschichte erzählt mir, es kann wieder Geschmack bekommen, auch wenn es fad geworden ist. Sie öffnet mir Herz und Sinne dafür, dass ich daran glaube, das Fest des Lebens hört nicht auf.
Darum Geschichten erzählen, wie diese. Immer wieder. Weil sie Mut machen und hoffen lassen: Es ist mehr möglich, als das was wirklich ist. Was ist, muss nicht bleiben. Gott lässt nicht zu, dass das Leben ein freudloses, liebloses Trauerspiel bleibt. Auch wenn das Leben trostlos ist. Gottes Möglichkeiten können ganz überraschende Türen öffnen.

 

Am dritten Tag fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt. Auch die Mutter von Jesus nahm daran teil. Jesus und seine Jünger waren ebenfalls zur Hochzeitsfeier eingeladen.
3Während des Festes ging der Wein aus.
Da sagte die Mutter von Jesus zu ihm: "Sie haben keinen Wein mehr!"
4Jesus antwortete ihr:
"Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen."
5Doch seine Mutter sagte zu den Dienern:
"Tut alles, was er euch sagt!"
6Dort gab es auch sechs große Wasserkrüge aus Stein.
Die Juden benötigten sie, um sich zu reinigen. Jeder Krug fasste zwei bis drei Eimer. 7 Jesus sagte zu den Dienern:
"Füllt die Krüge mit Wasser."
Die füllten sie bis zum Rand. 8Dann sagte er zu ihnen: "Schöpft jetzt etwas heraus und bringt es dem Festmeister." Sie brachten es ihm.
9Als der Festmeister einen Schluck davon trank, war das Wasser zu Wein geworden. Er wusste natürlich nicht, woher der Wein kam. Aber die Diener, die das Wasser geschöpft hatten, wussten Bescheid.
Da rief der Festmeister den Bräutigam zu sich 10und sagte zu ihm: "Jeder andere schenkt zuerst den guten Wein aus.
Und wenn die Gäste dann angetrunken sind, folgt der weniger gute. Du hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten."
11Das war das erste Zeichen. Jesus vollbrachte es in Kana in Galiläa. Er machte damit seine Herrlichkeit sichtbar und seine Jünger glaubten an ihn.

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