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SWR1 3vor8

„Und ich? Geh ich leer aus? Geht das Glück, das Leben, an mir vorbei?“
Ich vermute, Sie haben auch schon so gefragt. Nah am Verzweifeln. Am Verbittern. ‚Und ich?‘
Das Leben stellt mich ins Abseits: Andere werden wieder gesund. Andere haben Glück mit ihren Kindern und die eigenen kriegen ihr Leben nicht hin. Andere sehen Licht am Ende des Tunnels. Mir bleibt die Frage: „Und ich?“ Gibt es einen Trost, wenn man sich so fragt?
In der Geschichte, die heute in den evangelischen Gottesdiensten erzählt wird, fragt Johannes der Täufer nach Gott, ob er endlich nah kommt. Für ihn ist das die Frage  nach Glück und Gerechtigkeit. ‚Und ich, Gott? Bist Du – für mich und mein Volk-nur noch ganz weit weg?‘
Johannes steckt im Loch, im wahrsten Sinn des Wortes. Eingesperrt haben sie ihn. Weil er die Machthaber mit der Wahrheit gereizt hat. Ob das Leben ihm noch einmal seine helle Seite zeigen wird?
Dann dringt ein Gerücht in seine Finsternis. Es sei einer unterwegs, der mache vielen Hoffnung, die im Abseits stehen. Jesus, ein Name wie ein Programm: ‚Gott hilft.‘ Johannes würde gern hoffen. So versteh ich, was Matthäus in der Bibel erzählt. Aber soll er? Ist es nicht gescheiter, sich abzufinden. Sich nicht von Hoffnung verrückt machen zu lassen, die am Ende doch wieder nicht in Erfüllung geht?
Johannes fragt Jesus - stellvertretend für jeden und jede im Schatten - :
Bist Du es, auf den viele warten? Gott mit dem menschlichen Gesicht? Kommst Du Gott auch zu denen, an denen Glück und Gerechtigkeit immer vorbeigehen? Kann man auf Dich hoffen? Ich auch?
Die Antwort Jesu für Johannes lässt hoffen und macht gleichzeitig nüchtern. Und ein Trost ist sie. Vielleicht auch für Sie und mich, wenn wir fragen: Und ich?
Jesus antwortet indirekt ‚ja, mit mir kommt Gott nah. Sieh doch, was Gutes passiert, und trau mir: „Blinde sehen und Lahme gehen. Schwerkranke werden rein, Taube hören, Tote stehen auf und leben und Arme hören endlich, dass Gott für sie da ist.“
Johannes hört von Jesus so viel, was sein Herz höher schlagen lässt. Aber; dass er aus dem Gefängnis frei kommt, davon kein Wort. Ich stelle mir vor, dass Johannes diese Worte trotzdem aufgebaut haben. Dass er sein Schicksal leichter annehmen konnte, weil er gehört hat: Für viele geht was. Gott lässt viele Lichter aufleuchten. Nicht immer so wie man es für mich wünsche. Und darum sagt Jesus noch: ‚Glücklich, wer sich nicht von mir abbringen lässt. Glücklich ist wer glaubt, dass Gott ihm auch im Dunkeln nah ist.‘

Bibeltext: Matthäus 11,2-10
2Johannes saß im Gefängnis.
Dort hörte er von den Taten des Christus.
Deshalb schickte er seine Jünger zu Jesus 3und ließ ihn fragen:
"Bist du der, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?"
4Jesus antwortete ihnen:
"Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht:
5Blinde sehen und Lahme gehen. Menschen mit Aussatz werden rein, Taube hören, Tote werden zum Leben erweckt und Armen wird die Gute Nachricht verkündet.
6Glückselig ist, wer sich nicht von mir abbringen lässt.
7Die Jünger von Johannes gingen wieder zurück.
Und Jesus begann, zu der Volksmenge über Johannes zu sprechen:
"Als ihr zu Johannes in die Wüste gegangen seid:
Was habt ihr erwartet zu sehen?
Etwa ein Schilfrohr, das sich im Wind bewegt?
8 Oder was sonst habt ihr erwartet zu sehen, als ihr zu ihm hinausgezogen seid? Einen Menschen in vornehmer Kleidung?
Seht doch: Leute in vornehmer Kleidung wohnen in Palästen!
9 Oder was sonst habt ihr erwartet zu sehen?
Einen Propheten? Ja, ich sage euch:
Ihr habt mehr gesehen als einen Propheten!
10 Johannes ist es, von dem es in der Heiligen Schrift heißt:
'Siehe: Ich sende meinen Boten vor dir her.
Er wird dir deinen Weg bereiten.'

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