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SWR1 3vor8

Die Spaltung der Christen in viele Kirchen und Konfessionen ist ein Skandal, sagen viele „Seht mal! Da kann es ja nicht weit her sein mit der Nächstenliebe, von der sie reden“ sagen sie.
Und wir Christen sind traurig und beschämt, weil wir es nicht besser hinkriegen. Manche zeigen mit dem Finger auf „die da oben“, die Kirchenführer, die sich gefälligst einigen sollen. An der Basis, heißt es, klappt es doch mit der Einheit der Christen. Aber irgendwie ist einem doch vieles fremd, was die anderen sagen und tun und so richtig zu Hause fühlen sich die meisten nur in der eigenen Kirche oder Gemeinde. Muss es unter Christen anders sein?
Misstrauen und Vorurteile gab es anscheinend von Anfang an, als das Christentum sich ausbreitete. Die Lebensumstände und Lebensgewohnheiten der Menschen waren verschieden: Und wie überall fanden manche: Nur so, wie wir es machen, nur so, wie wir leben und Gottesdienst feiern, ist es richtig.
Ein Schüler des Apostels Paulus hat deshalb die Christen zur Einigkeit gemahnt. Und festgehalten, was denn nötig ist zur Einheit: Ihr seid ein Leib, schreibt er (Eph 4, 1-6). Und jeder konnte verstehen: Ein Leib hat verschiedene Glieder mit verschiedenen Eigenarten und Aufgaben.
In euch lebt ein Geist, schreibt er weiter, der hält in euch die Hoffnung auf Gott lebendig. Und dann zählt er noch auf: Es gibt nur einen Herrn, einen Glauben und eine Taufe.
Ich finde, das gilt bis heute. Wir Christen berufen uns alle auf Jesus Christus. Der ist das Oberhaupt seiner Gemeinde. Wir bekennen alle dasselbe Glaubensbekenntnis. Und wir haben alle dieselbe Taufe und die gilt auch in jeder einzelnen Kirche, ganz gleich, wo getauft worden ist und von wem.
Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe. Mehr ist zur Einheit nicht nötig, hat der Briefschreiber den Christen damals gesagt. 1500 Jahre später hat die Reformation das aufgenommen und noch einmal betont: „Es ist nicht nötig, dass überall die gleichen, von Menschen eingesetzten Zeremonien eingehalten werden“ (CA VII). Es ist egal, ob die Priester weiße Gewänder haben oder die Pfarrer schwarze, es ist egal, ob man in den Kirchen Bilder aufhängt oder keine, es ist egal, ob es nach Weihrauch duftet oder nicht.
Dass ich mich trotzdem in meiner Kirche wohler fühle als in anderen – ist das ein Problem? Ich finde nicht. In meinen eigenen Schuhen kann ich auch besser laufen als in denen meiner Schwester. Deshalb verlange ich auch nicht von ihr, dass sie meine trägt. Hauptsache, wir können gemeinsam unterwegs sein. Und wenn es nötig ist, einander auf schwierigen Strecken unterstützen.

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