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SWR1 3vor8

Wenn ich mit Wut nur so umgehen könnte wie Nathan. Ich lass sie schon mal schnell raus, werde verletzend, mit dem Ergebnis, dass der andere sich wehrt. Wutkämpfe bringen meistens nichts. Im Gegenteil, manchmal steht man am Ende schlechter da. Erreicht hat man nichts, und schämt sich am Ende, weil man so kopflos war.
Wenn ich es nur so könnte wie Nathan. Der hat seine Wut umgewandelt. In kühle Klugheit. Dabei stand sein Gegenüber über ihm. Nathan hatte es mit seinem König zu tun, mit David. Heute wird in den evangelischen Kirchen diese Geschichte erzählt von Nathan, dem Propheten:
Seine Wut auf König David war allzu berechtigt: Der ist fremdgegangen. Nicht genug, er wollte die Frau ganz. Um den lästigen Ehemann loszuwerden, hat er ihn, den Berufssoldaten, auf ein Himmelfahrtskommando geschickt. Der König hat sein Ziel erreicht, der Ehemann ist umgekommen. Aber für Nathan ist dieser König ein Mörder.
Nathan hat sich nicht schreiend vor Wut vor den Palast gestellt. Nein, er hat sie heruntergefahren, aber dann ist er vor seinen König getreten und hat ihm eine scheinbar harmlose Geschichte erzählt.
Ein Gleichnis von einem großen Viehbaron und einem armen Mann. Der hatte nur ein einziges Schaf, aber das hielt er lieb und wert fast wie seine Kinder. Dann – hat Nathan seinem König weiter erzählt - wollte der Viehbaron ein Essen geben, aber seine eigenen Tiere waren ihm zu schade zum Schlachten. Stattdessen hat er sich das einzige Schaf seines Nachbarn unter den Nagel gerissen.
Der König ist in die Falle gegangen, die Nathan ihm mit seinem Gleichnis gestellt hat. Die Wut hat König David gepackt, dass es in seinem Land so einen Kerl gibt. Sein Urteil: ‚Dieser Viehbaron verdient den Tod.‘
Und Nathan? ‚Mein König, Du bist es selbst‘, hat er David ins Gesicht gesagt. ‚Du hast den Ehemann in den Tod getrieben. Damit Du sie ganz haben kannst.‘ Und tatsächlich, erzählt die Bibel, David hat sich erkannt in Nathans kluger Geschichte und seine Untat bereut.
Von diesem Nathan möchte ich was lernen. Nicht loswüten. Aber berechtigte Wut nicht versanden lassen, sie verwandeln. In kühle Kraft und Energie. Warten, abkühlen, denken. Sich eine Strategie überlegen wie man gegen hat Unrecht angehen kann. Lieber mal den klugen Umweg einschlagen. Verbündete suchen. Die Einsicht des Gegenübers für möglich halten. Und so gegen scheinbar übermächtiges Unrecht angehen. Nathan zeigt, das geht.

 

Bibeltext: 2. Samuel 12,1-15

1 Und der HERR sandte Nathan zu David. Als der zu ihm kam, sprach er zu ihm: Es waren zwei Männer in einer Stadt, der eine reich, der andere arm.
2 Der Reiche hatte sehr viele Schafe und Rinder;
3 aber der Arme hatte nichts als ein einziges kleines Schäflein, das er gekauft hatte. Und er nährte es, dass es groß wurde bei ihm zugleich mit seinen Kindern. Es aß von seinem Bissen und trank aus seinem Becher und schlief in seinem Schoß und er hielt's wie eine Tochter.
4 Als aber zu dem reichen Mann ein Gast kam, brachte er's nicht über sich, von seinen Schafen und Rindern zu nehmen, um dem Gast etwas zuzurichten, der zu ihm gekommen war, sondern er nahm das Schaf des armen Mannes und richtete es dem Mann zu, der zu ihm gekommen war.
5 Da geriet David in großen Zorn über den Mann und sprach zu Nathan: So wahr der HERR lebt: Der Mann ist ein Kind des Todes, der das getan hat!
6 Dazu soll er das Schaf vierfach bezahlen, weil er das getan und sein eigenes geschont hat.
7 Da sprach Nathan zu David: Du bist der Mann! So spricht der HERR, der Gott Israels: Ich habe dich zum König gesalbt über Israel und habe dich errettet aus der Hand Sauls
8 und habe dir deines Herrn Haus gegeben, dazu seine Frauen, und habe dir das Haus Israel und Juda gegeben; und ist das zu wenig, will ich noch dies und das dazutun.
9 Warum hast du denn das Wort des HERRN verachtet, dass du getan hast, was ihm missfiel? Uria, den Hetiter, hast du erschlagen mit dem Schwert, seine Frau hast du dir zur Frau genommen, ihn aber hast du umgebracht durchs Schwert der Ammoniter.
10 Nun, so soll von deinem Hause das Schwert nimmermehr lassen, weil du mich verachtet und die Frau Urias, des Hetiters, genommen hast, dass sie deine Frau sei.
13 Da sprach David zu Nathan: Ich habe gesündigt gegen den HERRN. Nathan sprach zu David: So hat auch der HERR deine Sünde weggenommen; du wirst nicht sterben.
14 Aber weil du die Feinde des HERRN durch diese Sache zum Lästern gebracht hast, wird der Sohn, der dir geboren ist, des Todes sterben.
15 Und Nathan ging heim.

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