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SWR1 3vor8

Matthäus 16,13-20  21. Sonntag im Jahreskreis (A)

 Es ist doch spannend, welche Bilder, Urteile oder Vorurteile die Menschen so über einen haben, für wen sie einen halten.
Das war zu Zeiten Jesu nicht anders. Davon ist heute in den katholischen Gottesdiensten zu hören.
Jesus fragt seine Begleiter, als sie wieder einmal unterwegs sind: „Für wen halten mich die Leute?“ Vielleicht wollte er wissen, welche Ansichten und Meinungen über ihn im Umlauf sind. Ihre Antwort: „Einige halten dich für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für sonst einen von den Propheten.“ Jesus fragt weiter: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“
Da schwingt vielleicht mit: Bitte, verwechselt mich nicht! Petrus macht sich zum Sprecher und antwortet spontan: „Du bist der Messias!“ – was immer er sich darunter vorstellt.
Wir kommen wohl nicht dahinter, was das Bekenntnis des Petrus letztlich beinhaltet.
So ganz verstanden scheint er seinen Meister dann doch nicht zu haben. Kurz bevor Jesus gekreuzigt wurde, nimmt Petrus Abstand von ihm. Er gibt vor, ihn nicht zu kennen.

Und das halte ich auch für bemerkenswert: Nach den Evangelien hat sich Jesus vehement allen Ehrentiteln versperrt. Er hat sie für sich abgelehnt.

Dennoch hat man zu allen Zeiten versucht, Jesus für eigene Ziele zu vereinnahmen. Ganz vorne die Priester und Theologen. Doch Jesus ist nie ein Mann des religiösen, des kirchlichen Establishments gewesen. Er ist weder Priester noch Theologe gewesen. Ich nehme an: Jesus hat nicht ohne Absicht seine Geschichten und Bilder aus dem Alltag genommen und nicht aus dem sakralen Bereich oder aus dem Lehrbetrieb.

Auch die politischen und sozialen Revolutionäre können sich nicht einfach auf Jesus berufen. Wenn Revolution – so verstehe ich Jesus in den Evangelien - dann eine Revolution der  Liebe, der Gewaltlosigkeit und der Vergebung. Jesus passt in kein Schema, in kein System. 

Er hat Gott ganz neu erfahren als den bedingungslos liebenden Vater. Er sagt auch, wer wir Menschen sind: Kinder, Töchter und Söhne, Freundinnen und Freunde Gottes – von ihm unbedingt erwünscht. Und der neue Umgangsstil zwischen Gott und uns Menschen ist für ihn: Vertrauen und Liebe. 

Diese Überlegungen reizen mich, mir vorzustellen, wie Jesus mich fragt: „Für wen hältst du mich?“ – Ich möchte ihm sagen: „Ich halte dich für den, der mich hält und mich nicht fallen lässt, was auch immer passiert. Du bist für mich der, der für mich ist im Leben und im Sterben. Und so komme ich nicht mehr los von dir.“

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