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SWR1 3vor8

Kurz vor Schluss herrscht Alarmzustand. Beim Fußball zum Beispiel, wenn die einen das Ergebnis noch drehen wollen, oder wenn die anderen es um jeden Preis halten wollen: Dann wird es hektisch, dann passieren Fehler, die sonst vielleicht nicht passiert wären. Oder die Spieler geben sich auf: Das schaffen wir sowieso nicht mehr. Jetzt ist alles zu spät.
Solche Situationen gibt es auch sonst im Leben.
Vor ein paar Jahren musste ich umziehen, da ging es mir so. Und Sie kennen das vielleicht auch. Wenn der Ruhestand bevorsteht. Wenn die Kinder aus dem Haus gehen. Wenn eine Krankheit mir zeigt: So wie bisher kann es nun nicht mehr weiter gehen. Dann wird man leicht kopflos – oder mutlos.
Angst vor dem Ende hatten auch die ersten Christen, an die ein Mann namens Petrus einen Brief geschrieben hat. Aus dem wird heute ein Abschnitt in den Evangelischen Gottesdiensten vorgelesen. Damals haben sie sich von ihren Mitbürgern bedroht gefühlt, die den neuen Glauben der Christen in ihrer Gegend nicht dulden wollten. Wie lange können wir noch bleiben, haben sich die Leute gefragt. Bald ist hier alles zu Ende.
Den Leuten damals, die Angst vor dem Ende hatten, gibt Petrus einen sehr besonnenen Rat:
„Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat“ (1. Petr 4, 10). Also nicht: rette sich wer kann. Auch nicht: seht zu, dass ihr noch schnell eure Schäfchen ins Trockene bringt. Sondern: Kümmert euch umeinander. So, wie bisher auch. Macht eure Arbeit, jeder das, was er kann. Entfaltet eure Talente – nicht um einen guten Eindruck zu machen. Nicht, damit ihr Ansehen gewinnt und prominent werdet. Sondern, damit andere davon leben können.
Was könnten das für Talente sein? Vielleicht wenn einer Musik machen kann und damit andere aus der Weltuntergangsstimmung herausholen. Oder die Gastfreundschaft – die lässt andere spüren: da sorgt jemand für mich. Oder ein Lachen, das ansteckt und anderen zeigt: halb so schlimm, zusammen kriegen wir das schon hin.
Ich finde: Das sind Talente, die Gott auch Ihnen und mir geschenkt hat, damit die Welt nicht untergeht, auch wenn ein Lebensabschnitt vielleicht zu Ende ist. Damit wir einander helfen können, mit dem Ende einer Lebensphase zurecht zu kommen. Gott hat sie uns geschenkt, damit es uns gut geht – auch wenn etwas zu Ende geht und anderes kommt.
„Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat“: Die Welt geht nicht unter, nur weil ich für eine Weile nicht weiß, wie es weiter gehen soll. Gott sei Dank. Ich will tun, was ich kann, damit die Menschen um mich herum gut leben können. Ich glaube: Dann geht es mir auch gut.

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