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SWR1 3vor8

„Der Glaube ist nicht jedermanns Ding“ (2. Thess. 3,2) – diese Feststellung steht heute im Mittelpunkt der evangelischen Gottesdienste.
Die ist ziemlich aktuell, finde ich. „Wissen Sie, Glauben, das ist nicht mein Ding. Ich halte mich an Fakten. Und wo ich keine Beweise habe, da kann ich nicht glauben.“ Das sagen viele, wenn man auf das Thema Religion zu sprechen kommt. Manche sagen auch: „Ich halte mich da raus: Buddhismus, Christentum, Islam, Schamanen. Wie soll ich wissen, was wahr ist?“
Viele kommen anscheinend auch gut zurecht mit diesem: „Ich weiß nicht, ich halte mich da raus.“ Aber manche bedauern, dass sie nicht glauben können. „Es wäre gut, so einen Halt zu haben wie Sie, Frau Pfarrer, sagen die dann. Aber Glauben ist einfach nicht mein Ding.“
Neu ist das nicht. „Der Glaube ist nicht jedermanns Ding“ – das schreibt schon ein Nachfolger vom Apostel Paulus an die ersten Christen in Thessaloniki. Er schreibt auch, dass ihn das bedrückt. Wahrscheinlich haben die Leute ihm damals gesagt, er soll den Mund halten. Nicht irgendwelche religiösen Märchen verbreiten, die doch niemand glauben kann und die nur Unruhe stiften. Das erleben auch heute viele Christen, wenn sie über ihren Glauben öffentlich reden, in der eigenen Familie zum Beispiel oder im Kollegenkreis. – Oder im Radio.
An den abwehrenden Reaktionen merkt man aber auch, finde ich, dass alle etwas glauben. Damals wurden die Christen verfolgt, weil sie nicht die Staatsgötter anbeten wollten. Den Kriegsgott, die Göttin der Weisheit und Wissenschaft, den Gott der Gesundheit, die Göttin des Glücks. Von denen versprachen die Leute sich Erfolg, gutes Leben und Wohlstand. Sie wollten nichts hören von einem anderen Gott, von Jesus Christus, der doch anscheinend ein Loser war, hingerichtet am Kreuz, aber auf den die Christen vertraut haben.
Alle glauben an irgendeinen Gott, vielleicht auch an mehrere. Ich glaube, das ist heute nicht anders als damals. Und auch heute heißen die Götter Erfolg und Gesundheit, Wissenschaft, Glück – manchmal auch Krieg. Wie damals.
Wenn ich den biblischen Briefschreiber richtig verstehe, rät er den Christen seiner Zeit: Lasst euch nicht verunsichern. Redet weiter von dem, was ihr glaubt und worauf ihr vertraut. Ihr habt das Recht dazu – genau wie die, die etwas anderes glauben. Vielleicht leuchtet ja doch dem einen oder anderen das ein, was ihr sagt und wie ihr lebt. Aber geht mit den anderen um im Geist der Liebe Gottes und in der Geduld, die man von Christus lernen kann. So könnt ihr gut miteinander leben. Man kann niemand, den Glauben „einbläuen“. Glauben kann man nur „freiwillig“.

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