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SWR1 3vor8

Draußen vor der Stadt hat man Jesus hingerichtet. „Damit die Menschen durch ihn zu Gott kommen, hat Jesus draußen vor dem Tor gelitten“. Erstaunlich, dass man eine Hinrichtung so verstehen kann. Darüber wird heute in den evangelischen Gottesdiensten gepredigt.
Draußen vor der Stadt. Dort, wo alle die hingerichtet wurden, die man loswerden wollte. Verbrecher. Aufrührer und Revolutionäre. Gotteslästerer.
Jesus hat man dort hingerichtet, weil er anderes von Gott erzählt hat, als die meisten damals glaubten. Und die große Mehrheit war mit dieser Hinrichtung einverstanden. Es war ja bequem, zu denken, was alle dachten.
Aber es stimmt nicht, hat Jesus gesagt, dass Gott den Tod der Feinde will. Ihr sollt eure Feinde lieben, damit die Feindschaft aufhört. Es stimmt nicht, hat Jesus gesagt, dass Gott die bestraft, die einen Fehler gemacht haben. Er vergibt denen, auf die alle mit Fingern zeigen, damit sie umkehren können und es besser machen. Und das sollt ihr auch tun. Dann kann die Welt ein lebenswerter Ort für alle sein, so wie Gott es will.
Dafür musste Jesus sterben, denn das wollten die drinnen in der Stadt nicht hören. Da fühlten sie sich sicher mit ihrem Glauben. Sie wussten, wer die Feinde sind und wer die Bösen. Und wer für die Verständnis hatte, mit denen wollte man nichts zu tun haben. Dieser Jesus und all die Verständnisvollen, die bringen alles durcheinander. Die müssen weg.
Aber Gott, glauben wir Christen, Gott hat Jesus Recht gegeben. Er hat Jesus auferweckt. So hat er gezeigt: Was die Leute drinnen in der Stadt denken, ist falsch.
Und der Mann, der den Hebräerbrief geschrieben hat, der findet: Das muss Konsequenzen haben auch für die Anhänger Jesu. Deshalb hat er geschrieben: „So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schande tragen“ (Hebr. 12, 13) Sich an Jesu Seite stellen. Die Verachtung der Leute in der Stadt ertragen, die er auch getragen hat. Was könnte das heißen?
Raus aus Lagerdenken vielleicht. Wie ist das, wenn in Zeiten der Krimkrise einer sagt: „Liebt eure Feinde“? Hört auf mit dem Auge um Auge, Zahn um Zahn, Sanktion um Sanktion? Verzichtet auf Provokationen und versucht es mit Gesprächen. Mit Vereinbarungen. Vielleicht auch: Fangt wieder an, für den Frieden zu beten, so wie in Zeiten der Kosovo-Krise und der Irak-Krise?
Viele in der Stadt werden dann sagen: Was soll das nützen. Manche denken schon wieder: „Putinversteher“ und meinen Vaterlandsverräter. Diese Schande muss man vielleicht tragen.
Jesus damals ist ausgebrochen aus dem Lagerdenken. Und ist dafür gestorben. Aber: wenn er doch Recht hat?

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