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SWR1 3vor8

Viel gearbeitet, richtig geackert, viel erreicht – eigentlich wäre es Zeit für eine Pause. Den Erfolg feiern und dann endlich mal richtig ausspannen. Das wäre schön. Und dann kommt plötzlich eine neue Krise. Ein neues Problem. Unmöglich, jetzt Pause zu machen.
Elia, ein Gottesmann von dem die Bibel erzählt, hat das so erlebt. Der Predigttext für die evangelischen Gottesdienste heute erinnert mich daran. Und erinnert mich, dass ich auch schon solche Situationen erlebt und gesagt habe: „Es ist genug“. Genau wie Elia. (1. Kön 19, 1-8) Der konnte nicht mehr und wollte nicht mehr. Und ist weggelaufen, enttäuscht und irgendwie kopflos. Dahin wo er endlich seine Ruhe haben würde.
Elia damals ist in die Wüste geflüchtet. Heute flüchten sich Leute in die Arbeit, wenn es zu Hause zu anstrengend wird und die Probleme gar nicht mehr aufhören. Oder in die Krankheit. Oder in den Alkohol. Manche nehmen Tabletten, damit sie endlich Ruhe finden.
Und Gott?. Gott, erzählt die Bibel, Gott hat Elia reden lassen. Er widerspricht auch nicht – er versucht gar nicht erst, ihn an die guten, die schönen Seiten des Lebens zu erinnern, an das, was gelungen ist und das, was er doch schon erreicht hat. Das würde Elia jetzt doch nicht hören wollen. Gott lässt ihn deshalb einfach reden.
Wie gut, wenn man das kann – sich bei Gott alles von der Seele reden. Vielen fällt das schwer. Sie brauchen ein wirkliches, ein sichtbares Gegenüber. Hoffentlich schickt Gott jedem, der es braucht einen Menschen, der ihn reden lässt. Reden hilft.
Irgendwann hat Elia dann bemerkt: Es steht Brot da und Wasser – mitten in der Wüste. Da ist einer, der für ihn sorgt. Einer, der sieht, wie es ihm geht, der erkennt was er braucht: Essen. Fürsorge.
Satt werden und zur Ruhe kommen können. Manche brauchen etwas zu essen, wenn es ihnen schlecht geht. Andere mögen eigentlich nichts essen. Aber es tut gut, zu spüren: Es ist einer da, der kümmert sich. Das ist es, glaube ich, was für Elia wichtig war. Das Gefühl: da kümmert sich endlich mal jemand um mich. Da nimmt mir jemand die Sorge für mich selbst ab, ich kann mich versorgen lassen – das tut gut. Vor allem, wenn man wie Elia daran zerbrochen ist, dass man immerzu geackert und geschafft hat. Immer war ich für die anderen da –Jetzt erlebt Elia, dass jemand für ihn da ist. Das tut ihm gut. Da kann er essen und trinken. Und wieder aufstehen und losgehen.
Nicht, dass nun gleich alles wieder gut wäre. „Du hast einen langen Weg vor Dir“ – so hört Elia Gottes Stimme. Ein langer Weg. Aber Elia muss ihn nicht allein gehen. Es gibt einen, der sich um ihn sorgt. Mir hilft es, wenn ich das spüre.

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