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SWR1 3vor8

8. Sonntag im Jahreskreis A

Kaum ein Gedanke von Jesus provoziert mich so sehr, wie der, der heute in den katholischen Gottesdiensten im Mittelpunkt steht: Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung? Das hört sich gut an und richtig, was Jesus da sagt. Aber gleichzeitig nagt es an mir und ich werde total unruhig. Genau dieser Punkt macht mir zu schaffen. Immer und immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich unruhig werde aus lauter Sorge. Für die scheinbaren Selbstverständlichkeiten des Alltags, die Jesus anspricht, gilt das ganz besonders: Essen, Trinken, Kleidung. Es beruhigt mich, wenn ich weiß, dass der Kühlschrank mit dem gefüllt ist, was ich gern esse. Es gibt mir Sicherheit, wenn ich beim Blick in den Spiegel vor mir selber bestehen kann. Kleider machen ja bekanntlich Leute. 

Fragt sich nur, wie lange das etwas nützt. Denn dass der schöne Schein keinen Bestand hat, wenn es hart auf hart kommt, das weiß ich natürlich längst. Immer dann, wenn ich meine, dass ich mich nur auf mich verlassen kann, bröckelt der Putz. Es kann vorkommen, dass ich mir fast nackt vorkomme, entblößt von allem, was ich um meine Person herum inszeniert habe. Ich stehe dann im wahrsten Sinne des Wortes da, wie Gott mich schuf. Nur mit dem als Sicherheit, was ich wirklich bin. Wenn das nämlich nicht genügt - der Mut, den ich eben habe, mein Begabungen, meine Persönlichkeit - dann helfen die äußeren Sicherheiten auch nicht weiter. Auf diese Weise bekomme ich eine Ahnung von der Freiheit, die das in sich birgt. Ohne unnötigen Ballast, auf das Wesentliche konzentriert. Das tut gut. Nicht zuletzt, weil ich so auch deutlicher spüre, dass nur Einer mein Leben wirklich in der Hand hat und mich trägt. 

Vermutlich will Jesus uns so haben, wenn er von der Sorglosigkeit spricht. Ohne Kleider, ohne vollen Kühlschrank. Und vor allem ohne einen unnötigen Gedanken daran. Eben ohne den schnöden Mammon. Auch wenn uns die Modebranche anderes vorgaukelt und Kochsendungen so beliebt sind, wie nie zuvor: Der Leib ist wichtiger als die Kleidung, und das Leben wichtiger als die Nahrung. Es ist fast ein wenig banal, was Jesus da sagt, aber trotzdem unglaublich richtig. Und seine Schlussfolgerung erst recht: Sorgt euch nicht um euer Leben!

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